Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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22 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.

So laß uns einmal zuſammen dorthin gehen; ich werde es den Meinigen zu beweiſen ſuchen, wie nothwendig für mich eine Reiſe nach Italien iſt, und auch Du biſt ja jetzt ein freier Mann.

Und Margarethe?

Ah, die Kleine ſoll uns begleiten als ein lieblicher Schutz⸗ engel, und ſie wird unſere Freundſchaft mit einem noch feſteren Bande zuſammenweben.

Das brauchte es wohl eigentlich bei uns nicht, gab Roderich zur Antwort, indem er dem Freunde die Hand reichte;doch bin ich ſo müde vom vielen Arbeiten in der letzten Zeit, daß ich nicht einmal mit Genuß an eine größere Reiſe denken mag. Lieber möchte ich ſo mit Dir Tage, ja, Wochen und Monate lang im eigenen ſchönen Lande herumfahren; ich möchte das Kind mit ſei⸗ nem ehrlichen Gemüthe nicht gern für längere Zeit mit mir in die Fremde nehmen, und es verlaſſen könnte ich noch weniger; ſeine guten, treuen Augen feſſeln mich an die Stadt da unten ma⸗ giſch wie der Ring der Faſtrada den großen Kaiſer an ſein heimat⸗ liches Aachen.

Ich verſtehe Dich, erwiederte Lytton, der, ſich gegen Nor⸗ den wendend, ſeine Blicke hinabgeſandt hatte nach der Stadt, welche die Beiden bewohnten und deren Thürme dort am Rande des Gebirges ſichtbar wareniſt ſie mir doch auch faſt eine zweite Heimat geworden!

Roderich warf noch einen flüchtigen Blick nach der Gegend, wo Lytton mit der Hand hinwies, dann wandte er ſich wieder gegen das prachtvolle Rundgemälde, das wir ſo eben zu ſchildern ver⸗ ſuchten, und ich ſagte nach einem längeren Stillſchweigen, im An⸗ ſchauen verſunken:Ich weiß nicht, woher es kommt, daß der bunte Glanz dieſer herrlichen Gegend in mir eine faſt wehmüthige Stimmung hervorruft eigentlich nur eine Sehnſucht, des Win⸗ ters ertödtender Hand, welche in Kurzem hier Blätter und Beeren abſtreifen wird, zu entfliehen. Schau da oben jene Zugvögel