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4„ Die Sonne ſinkt, ihr letzter Schein zergeht. 21
hatte man von da oben! Zur Linken die Rheinebene mit dem Schlangenlaufe des majeſtätiſchen Stromes, deſſen Waſſer hier dun⸗ kel beſchattet iſt, dort ſpiegelhell aus dem grünen Thale hervor⸗ blinkt. An ſeinen Ufern Dörfer und Städte. Am vorderen Rande ausgedehnte, goldgelbe Fruchtfelder, während ſich an der rückwärts liegenden Gränze derſelben ſanfte Anhöhen erheben, Weinberge mit jetzt noch dunkelgrünem Laube, welche ſcheinbar anſteigen bis zu den Gebirgen der Eifel und der Maas. Und gerade vor uns im bläu⸗ lichen Sonnenduft, umgeben von einem unermeßlichen, leicht wogen⸗ den, hell leuchtenden Getreidemeere, aus welchem hervor, von hier aus am ſichtbarſten, der ſilberne Strom blitzt— und wie in einer rieſigen Fruchtſchale gelegen, das alte, heilige Köln mit ſeinen Hunderten von Thürmen und mit ſeinem maſſiven Dome, der wie ein eigenthümlich geformter Fels über die weitgedehnte Häuſermaſſe emporragt.
Und wenn wir unſern Blick nun höher hinauf erheben, ſo haben wir die lieblichſten Punkte des majeſtätiſchen Rheinthales vor uns, die ſieben Berge wie blaue Wolken, Rolandseck und die ganze Gebirgskette bis zu dem freundlichen Bonn.
„Ich weiß nicht,“ ſagte Olfers nach einer Pauſe,„ſo oft ich ¹ das Siebengebirge betrachte, kommt eine unendliche Reiſeluſt über mich; ich ſehe alsdann den grünweißen Dampfer ſo lebhaft vor mir, auf deſſen Verdeck ich mich befinde, aufwärts fahren, dem Süden zu, den gewaltigen Bergen der Schweiz entgegen, um von ihnen wieder hinabzuſteigen nach den herrlichen, milden Ebenen Italiens.“
„Das iſt wohl die Sehnſucht des Malers, die Du ja doch ſo manchmal geſtillt haſt.“
„Geſtillt nicht,“ erwiederte Roderich nachdenkend;„ich habe wohl ſchon einige Male den ſchäumenden ſüdlichen Becher an meine Lippen geſetzt, aber ehe ich einen tüchtigen Zug daraus gethan, ſtellte ich ihn wieder bei Seite als guter, bedächtiger Deutſcher.“
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