Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Dreiundzwanzigſtes Kapitel.

umſchattet, deren Zweige ſich in jetziger Jahreszeit förmlich unter der Laſt der Früchte beugen. Zwei Kirchen mit ihren Thürmen ragen über ihre Häuſer empor, von denen eine, ein alter Bau in ſchönen Verhältniſſen, ſchon fünf Jahrhunderte der Zeit und den Elementen Trotz geboten und ſelbſt die langen und ſchweren Kriegs⸗ jahre ſiegreich überſtanden.

Dieſes kleine Dorf heißt Erkrath und iſt weiter von keiner rein hiſtoriſchen oder von keiner culturgeſchichtlichen Bedeutung, obgleich als Niederlaſſung unſerer älteſten deutſchen Vorfahren, ſowie als römiſche Colonie bekannt und benannt; auch kann man ſich beim Anblicke der heute noch prachtvollen Eichenwälder mit ihren mäch⸗ tigen, hundertjährigen Stämmen des Gedankens nicht erwehren, daß in dieſen damals heiligen Hainen Teut, Wodan, die Sonne an⸗ gebetet wurden und daß eigenthümlich geformte Steine, die man noch hier und da auf der Höhe trifft, Opferaltäre der Druiden waren.

Für den Verfaſſer dieſer Blätter hat aber Erkrath doch noch eine ganz beſondere Bedeutung, welche hier zu verſchweigen er nicht beſcheiden genug iſt, denn ſein Großvater lebte dort als ehrwürdiger Pfarrherr und ſeine gute Mutter hat dort auf den grünen Wieſen gewiß manche Blume gepflückt ein Gedanke, der etwas Trauriges in ſich ſchließt: dort liegen die Wieſen vor uns, ſaftig grün, von der Sonne beglänzt wie damals, und werden wahrſcheinlich nach Hunderten von Jahren ſo erſcheinen; auch Blumen werden in jedem Frühlinge unter dem Kuſſe der warmen Sonne dort hervorſprießen; aber die freundlichen, guten Augen, welche einſt dieſe Blumen be⸗ trachtet, haben ſich zum ewigen Schlafe geſchloſſen, und die lebens⸗ warmen Hände, welche ſie gepflückt und Kränze daraus gewunden, ſind längſt erkaltet und erſtarrt

Vorüber vorüber!

Wir verlaſſen das weite Thal mit ſeinem friedlichen Dörfchen, und in kurzer Zeit nimmt uns der Schatten prächtiger Buchen⸗ und