Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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XXIII. Die Sonne ſinkt, ihr letzter Schein zergeht.

Heit dem Beginne unſerer wahrhaftigen Geſchichte ſind Mo⸗ nate vorübergegangen, und da wir den geneigten Leſer an einem ſonnigen Frühlingstage empfingen, ſo brauchen wir kaum zu ſagen, daß jetzt der Herbſt mit ſeiner maleriſchen Pracht Beſitz von Wald und Feld genommen. Liebten wir es, ſelbſt auf Koſten der Wahr⸗ heit, uns in ſchroffen Gegenſätzen zu ergehen, ſo könnten wir viel⸗ leicht paſſender für den Gang dieſer Erzählung von einem ſtür⸗ miſchen, düſtern Herbſttage reden; doch haben wir uns ſtreng vor⸗ genommen, unter allen Umſtänden der Wahrheit getreu zu ſein, und können deßhalb nicht anders als von einem goldig glänzenden Herbſttage ſprechen, der mit aller nur möglichen Pracht der Fär⸗ bung, mit einem wolkenloſen, tiefblauen Himmel unſere Erde beglückte.

Einige Stunden von der Stadt, in der unſere wahrhafti Geſchichte ſpielt, befindet ſich ein kleines Dörfchen, freundlich von ſaftig grünen Wieſen umkränzt und in geſchützter Lage durch einen Höhenzug, welcher die rauhen Nord⸗ und Weſtwinde abhält; durch die blumigen Wieſen ſchlängelt ſich ein klarer, ſilberheller Bach,

hier und da leicht überbrückt. Die reinlichen Häuſer des Dorfes

haben rothe, weithin leuchtende Dächer; ſie ſind von Obſtbäumen