Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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262 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

Und das Poſthorn erſcholl näher und näher.

Walter ſchritt nun voran, die Fahnenſtange mit dem erhabenen Kurzholze, an welchem die bunten Bänder anmuthig hin und her flatterten, hoch emportragend, und die Freunde folgten paarweiſe, das ſchöne Lied ſingend:

Muß i denn, muß i denn Zum Städtle hinaus Städtle hinaus, Und Du, mein Schatz, bleibſt hier

Waren es die Worte jenes Liedes, oder der Abſchied von den guten, alten Freunden, oder trug der genoſſene Wein auch ſeine Schuld daran, was den Bergmüller plötzlich ſo trübe ſtimmte, ge⸗ nug, er zwinkerte ſo ſtark mit den Augen und zog alsdann, in ein gelindes Heulen ausbrechend, ſein Taſchentuch hervor. Dabei müſſen wir geſtehen, daß dieſe Bewegung anſteckend wirkte, denn Rüding lächelte mit krampfhaftem Grinſen, um ſeine Rührung zu ver⸗ bergen, und van der Maaßen ſchneuzte ſich viel öfter, als noth⸗ wendig war, ſeine dicke Naſe.

So gelangte der Zug vor das Gartenthor, wo der Eilwagen eben hielt und ſich der Poſtillon bequem in ſeinen Sattel ſetzte, um aus den Händen Rafaels ein Glas Wein in Empfang zu nehmen, während der Conducteur mit der bekannten Geſchäftigkeit dieſer Leute aus ſeinem Coupé kletterte und mit jener Eindringlichkeit zur Eile antrieb, von der wir im voraus überzeugt ſind, daß ſie nicht ſo böſe gemeint iſt. Auch befolgte dieſer würdige Beamte durchaus nicht ſeine eigenen Ermahnungen, denn als er ſich einmal hinten am Wagen befand, wo er von den Mitreiſenden nicht mehr geſehen werden konnte, da ließ er ſich die Flaſche Wein, welche der Wirth ihm hier überreichte, außerordentlich wohl behagen, ja, er ſah es freundlich ſchmunzelnd mit an, wie nun die ganze Geſell⸗ ſchaft der Künſtler zu zwei und zwei, das erhabene Kurzholz an der Spitze, dem Ritual gemäß dreimal um den Wagen herumzog,

wobei wir nicht verſchweigen dürfen, daß van der Maaßen gierige