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So leb' denn wohl, du altes Haus! 261
„Ich zieh' betrübt aus Dir hinaus!“
„Weiß der Teufel,“ ſagte er alsdann, ſeinen Geſang unter⸗ brechend,„daß ich immer melancholiſch werde, ſo oft ich ein paar Gläſer mehr trinke— auch jetzt wieder muß ich mich hundemäßig in Acht nehmen, nicht an Sie zu denken—
Sie, die Eine, Kleine, Meine—
denn wenn ich an Sie denke, ſo kann ich mich der tiefſten Wehmuth nicht erwehren!“— Dabei verzog er ſein breites Maul zu einem traurig ſein ſollenden Grinſen.
Rodenberg hatte wohl gehört, was Walter ihm gegenüber vorhin dem Andern zugeflüſtert; er hatte es auch verſtanden, und es durchzuckte ihm das Herz eine Secunde lang wie mit wilder Eifer⸗ ſucht, wobei er aber in der nächſten Zeit ſelbſt lächeln mußte. Und wenn das Unglaubliche wirklich wahr wäre, dachte er, was geht's dich an! Kann es den Werth einer Perle verringern, wenn die andere, äußerlich ganz gleiche, in einen Sumpf fällt— und doch wieder, welch unerhörtes, ſchamloſes Glück!“— Er biß heftig die Lippen auf einander und ſprang auf, um einen Gang durch den Garten zu machen.
Da klang von der Stadt her der helle Ton des Poſthorns, die Fröhlichkeit mit einem Male zerreißend, die heitere Geſellſchaft gewaltſam aufſtörend.
Walter hatte ſich ebenfalls ſo raſch, als es ihm möglich war, erhoben und holte mit breitſpurigen Schritten, welche ſeinem ſchwankenden Gange etwas Feſtigkeit geben ſollten, das erhabene Kurzholz herbei, das nun von ihm, beim letzten Acte des Abſchieds, bis an den Eilwagen der Geſellſchaft vorangetragen werden mußte. Dieſe füllte noch einmal raſch die Gläſer, leerte ſie und behielt ſie alsdann in der Hand, um unmittelbar vor dem Wagen den letzten Trunk zu thun, zu welchem Zwecke Rafael ein paar Flaſchen Wein
draußen vor dem Gartenthore hütete. L
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