260 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
„Michel Angelol“ ſchrieen die Einen.
„Schmitz, es iſt famos, daß Du noch kommſt!“
„Aber ſo ſpät, armer Kerl— Du wirſt nichts mehr zu eſſen kriegen!“
„Als ein halber Künſtler,“ ſagte der kleine Mann munter la⸗ chend,„darf ich auch nur in der zweiten Hälfte des Diners kommen.“
„Wenn auch nur ein halber Künſtler, ſo doch ein ganzer Kerl!“ ſchrie Rüding, indem er ihm das gefüllte Glas hinhielt— „komm', wir ſtoßen an: Schmitz ſoll leben!“
„Und auch Du, Rüding!“
„Und die Anderen!“
„Alles ſoll leben!“
„Und vor Allem das, was wir lieben!“ rief Bergmüller.— Und damit ſchien er den beſten Trinkſpruch ausgebracht zu haben, denn die Gläſer klangen und klirrten ſo heftig aneinander, daß mehr als eines in Scherben ging und in einem hohen Bogen auf die Seite geworfen wurde.
„Ja, was wir lieben!“ wiederholte Michel Angelo, und dabei leuchteten ſeine Augen ſo glückſelig, daß Walter, neben dem er Platz genommen, den Arm um den Hals des kleinen Mannes legte, ihn näher zu ſich zog und ihm ins Ohr flüſterte:
„Man ſagt, daß Du ein kleines Ungeheuer biſt und daß man Dir Glück wünſchen darf— iſt es ſo, dann ſtoße ich mit Dir noch ein⸗ mal leiſe an— die rohen Geſellen dort brauchen nichts davon zu wiſſen.“
Nach dieſen Worten ſchaute Schmitz ſeinen Nachbar auf das freundlichſte an, und ohne etwas zu erwiedern, erhob er ſein Glas und ſtieß es klingend mit dem des Anderen zuſammen.
„So leb' denn wohl, du altes Haus!“
brüllte van der Maaßen, wobei er dem Bergmüller ſo kräftig die Hand ſchüttelte, daß dieſer, welcher ohnehin nicht mehr ſtark im Gleichgewichte war, beinahe zu Boden gefallen wäre.
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