Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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So leb' denn wohl, du altes Haus!

vortrefflichen Modell einer jener Prieſter des alten heidniſchen Waldcultus hätte dienen können.

4 Dabei ſtand er aufrecht an ſeinem Platze, hatte die Arme über die Bruſt gekreuzt und erhob ſeine Blicke mit einer ſolchen Innigkeit gen Himmel, daß es Einem förmlich zu Muthe wurde, wie Walter flüſterte, als ſtände er vor dem Opferſteine, um aus den Eingeweiden des hingeſchlachteten Rüding oder eines ſonſtigen Opferthieres die Zukunft zu enthüllen.

Jetzt erhob er langſam ſeinen rechten Arm, deutete um ſich her auf die ſonnenbeglänzte Landſchaft und ſagte mit ſeiner tiefen, melancholiſchen Stimme:Schaut um Euch auf Berg und Thal, auf die Bäume und Sträucher dieſes Gartens, ja, Jeder auf ſeinen

1 Nachbar, und Ihr werdet finden, daß der Frühling und Sommer ſowohl in der Natur, als auch mit wenigen Ausnahmen in uns vorüber iſt: der Herbſt will kommen und beginnt das Laub der

Bäume und auch das Haar auf unſeren Häuptern zu färben. Wißt Ihr wohl, welches Gefühl mich beſchleicht, wenn ich ſo die gelb gewordenen Blätter anſchaue? Ein Gefühl, das auch in Euren Herzen rege wird, wenn Ihr den ſo maleriſch gefärbten Wald betrachtet oder wenn ein welkes Blatt langſam in der Luft umherwirbelt und dann zu Euren Füßen niederfällt Ihr habt die Sehnſucht, davonzuziehen in ein glücklicheres Land, wo nicht das, was wir Winter nennen, dem entſchwundenen Herbſte folgt, wo nach dem heißen Sommer und dem fruchtbringenden Herbſte allerdings auch eine andere Jahreszeit eintritt, in welcher ebenfalls hier und da die Blätter von den Bäumen fallen, aber nicht, um die ſchwarzen Zweige beſenhaft erſcheinen zu laſſen, ſondern um Durchſicht zu gewinnen auf den tiefblauen Himmel, auf immer⸗ grüne Bäume und auf weißſchimmernde Marmorbilder ja, dort⸗ hin geht Euer leicht begreifliches Sehnen aber Viele ſind berufen, doch Wenige auserwählt, und wenn ich umherſpähe, um an Euch das Zeichen zu entdecken, welches allein wahre, echte Kunſt ver⸗

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