Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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So leb' denn wohl, du altes Haus! 2⁵55

Ob Knorx, welcher in dieſem Augenblicke den Kopf in die Hand geſtützt und die Augen hoch gen Himmel erhoben hatte, unter ähnlichen Gedanken litt, wiſſen wir nicht genau anzugeben; wenn er aber eines lang entſchwundenen Liebs gedachte, ſo geſchah dies mit Begeiſterung, denn ſeine Augen leuchteten und ſchienen Gedanken in ferne Welten zu tragen, vielleicht auf irgend einen Stern, wo er diejenige vermuthete, welche er einſtens geliebt.

Rodenberg, welcher dieſe begeiſterten Blicke bemerkte, konnte ſich nicht enthalten, langſam aufzuſtehen und von einer alten Mauer, welche den Garten einfaßte, einen Epheuzweig abzureißen, den er raſch zu einem Kranze wand und ihn auf das Haupt des langen Bildhauers drückte, was von den Andern mit großem Jubel auf⸗ genommen wurde.

Wahrlich, rief Rüding,ſo habe ich mir immer die alten, biderben Ritter gedacht, wenn ſie, nach abgelegtem Helme, den Siegeskranz ums Haupt, an der Seite holdſeliger Frauen bankettirten!

Oder einen jener Minneſänger, der im Kampfe des Geſanges geſiegt und mit dem Eichenkranze geſchmückt wurde! rief van der Maaßen ſchwärmeriſch ausach, das muß eine herrliche Zeit geweſen ſein, hätte ich nur damals gelebt, ich bin überzeugt, mit dem Schwerte und der Harfe Wunderbares geleiſtet zu haben!

Vielleicht hätteſt Du auch Anlagen zum Tannhäuſer gehabt, ſagte der ſanfte Eduard ſpöttiſch;doch würde mich in dem Falle Frau Venus gedauert haben.

Darüber kannſt Du Dich beruhigen, gab van der Maaßen in etwas bitterem Tone zur Antwort;mit einer Frau Venus, die einen ſolchen Liebesgott wie Dich zur Welt gebracht, würde ich mich wahrlich nicht abgegeben haben pfui Teufel!

Rüding, der etwas zu viel getrunken hatte, erhob ſich raſch von ſeinem Sitze und ſchleuderte ſeinem Gegenüber einen jener

Blicke zu, die wohl im Stande ſind, uns mit Wuth, Zorn, vielleicht