So leb' denn wohl, du altes Haus! 251
„Die Hauptmännin hat wahrſcheinlich von Deiner Leidenſchaft gehört, überall Schrauben auszuziehen, und das iſt gewiß ab⸗ ſchreckend.“
„Ein ſchlechter Witz, Walter.“
„Gewiß ein ſchlechter Witz,“ ſagte Rodenberg,„denn van der Maaßen iſt eine ſo reputirliche Perſon wie irgend Einer.“
„Das kommt auf die Jahreszeit an,“ meinte ein Anderer.
„Wie ſo?“ rief van der Maaßen in unwilligem Tone.
„Zu Anfang des Jahres haſt Du einen neuen Anzug und ſiehſt ziemlich anſtändig aus— hat derſelbe aber einmal Frühjahr, Sommer und Herbſt durchgemacht und iſt zur Winterszeit auch an dem Winter ſeines eigenen Lebens angelangt, ſo iſt er wie die Natur alsdann, kahl und abgemaust, und nicht mehr als Empfeh⸗ lungsbrief zu brauchen.“
Van der Maaßen zuckte verächtlich die Achſeln, hob das gefüllte Glas empor und that etwas ſehr Geſcheites: er trank daſſelbe auf Einen Zug leer, pätſchelte ſich alsdann auf ſeine eigenen, dicken Backen und ſagte:„Ich habe ſoeben auf die Geſundheit eines ganz vortrefflichen Kerls getrunken, eines guten Kerls, veſſen Schale zuweilen meinetwegen unſcheinbar iſt, die aber einen edlen und vor⸗ trefflichen Kern umſchließt— bei Euch iſt leider das Umgekehrte der Fall, wurmſtichiger Kern in glänzender Schale.“
„Trotz des Compliments, das Du uns machſt, kann ich mich doch nicht enthalten, auf die Geſundheit jenes vortrefflichen Kerls ebenfalls mein Glas auszutrinken— van der Maaßen ſoll leben hoch, hoch und abermals hoch!“
„Schnädderdäng däng däng!“ machte der junge Maler neben Rüding, indem er ſeine Hand wie eine Trompete vor den Mund hielt.
„Unſer Geſprächsthema von vorhin iſt noch nicht erledigt,“ ſagte Knorx nach einer Pauſe;„ich bin von Bergmüller überzeugt, daß, wenn Einer von uns nach Köln kommt, er von ihm vortreff⸗ lich aufgenommen wird.“ 8


