So leb' denn wohl, du altes Haus! 239
nach dem Buche auszuſtrecken wagte,„da kommen keine Zeichnungen mehr, wie bisher!“
„So— dieſe Sudeleien haſt Du in der That die Verwegenheit, Zeichnungen zu nennen?“ murrte der alte Maler.„Und jetzt, wo ich auf etwas Vernünftiges zu ſtoßen hoffe, möchteſt Du mich daran ver⸗ hindern?— Ah, Geſchriebenes— darauf bin ich in der That begierig!“
Rafael ergab ſich in ſein Schickſal, war aber ſo klug, ſich ein paar Schritte zurückzuziehen, um die Miene des alten, mürriſchen Mannes aus einiger Entfernung zu beobachten; er war aber faſt erſtaunt, als er nach kurzer Zeit ſah, daß ſich dieſe Mienen nicht verfinſterten, ſondern aufklärten, und daß das Lächeln, welches auf den Zügen Walter's erſchien, durchaus nicht wie Lächeln des Spottes oder der Verachtung ausſah; ja, er hörte ihn darauf vor ſich hinmurmeln:
„Gar nicht ſchlecht— gar nicht ſo übel— ei, ei, ſogar Be⸗ merkungen und Reflexionen, die er ſich erlaubt— hat man je ſo was gehört!“— Damit ließ er das Buch mit der Hand auf ſeine Kniee ſinken und ſchaute Rafael mit einem langen Blicke an.— „So,“ ſagte er nach einer Pauſe,„das haſt Du alſo Alles ſelbſt geſchrieben, Rafael?“
„Ja, Herr Walter,“ gab der Andere kleinlaut zur Antwort.
„Und wann, wenn ich fragen darf?“
„Morgens und Abends, ſobald ich ein wenig Zeit dazu fand.“
„Geht dieſer Kerl her,“ ſprach Walter, halb zu dem jungen Burſchen, halb zu ſich ſelbſt redend,„und macht da eine Beſchrei⸗ bung unſeres Künſtlerfeſtes, natürlicher Weiſe unter den ſchauer⸗ lichſten Wortverdrehungen und den furchtbarſten Schreibfehlern, welche aber trotz alledem ein förmlich klares und anſchauliches Bild dieſes Tages gibt— und dabei unterſteht er ſich, meinen Anzug
zu kritiſiren....“ „Ach, Herr Walter, das habe ich ja Alles nur für mich ge⸗ ſchrieben, es hätte es ja keine Menſchenſeele leſen ſollen!“
————ꝛhñnñyI0 ua l—


