238 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
es allenfalls mit Zeit und Ausdauer zu einem ſchlechten Wirths⸗ hausſchilde bringen oder zum Gemälde auf einem Pfeifenkopfe, wie ihn ſich die Soldaten um zwei Silbergroſchen kaufen, mit der Unterſchrift Ida oder Laura— weiter nicht, das ſchwöre ich Dir zu, ſo wahr ich es gut mit Dir meine und ein ehrlicher Mann bin!“
„Aber Sie ſagten doch, ich hätte Talent!“
„Ja, aber nicht zum Zeichnen und Malen.— Apropos, Bürſchlein, ich habe ſchon verſchiedene Male bei Dir ein Ding ge⸗ ſehen, das wie ein Skizzenbuch ausſah— hole es herbei und laß es mich anſehen.“
„Ach, Herr Walter, ſie werden doch noch böſe werden!“
„Da ich es vor dieſem Scheuſale nicht geworden bin, ſo kannſt Du ganz ruhig ſein— hole das Buch.“
Rafael ging zögernd gegen den ebenerwähnten Wandſchrank und brachte noch zögernder das verlangte Buch herbei.
Der alte Maler mußte es ihm faſt gewaltſam aus der Hand nehmen; dann ſchlug er es auf und begann, es vom erſten Blatte an durchzuſehen. Dabei ſchüttelte er aber bedeutend den Kopf, ſagte auch zuweilen:—„Pfui Teufel— unglaublich— grauen⸗ haft!“ und dergleichen Ausrufungen mehr, welche aber durchaus nicht geeignet waren, zur Aufmunterung des beinahe zitternd da⸗ ſtehenden jungen Künſtlers beizutragen.
„Wie ich vorhin ſchon geſagt,“ brummte Walter, nachdem er ein Dutzend Seiten durchgeſehen.„Talent zum Zeichnen iſt nicht die Spur vorhanden, aber in Allem, was dieſer Kerl hier geſudelt hat, findet ſich irgend eine Idee, eine praktiſche Zuſammenſtellung, ja, wahrhaftig! zum Beiſpiel da die Anlage zu einem ganz erträglichen Bildchen, das heißt, wenn eine geſchickte Hand aus dieſen geſpal⸗ tenen Rettichen Menſchen macht und die Beſen in Bäume ver⸗ wandelt— eigenthümlich— doch da kommt etwas Anderes, worauf ich in der That begierig bin.“
„Ach, Herr Walter,“ bat Rafael, indem er die Hand ſchüchtern


