So leb' denn wohl, du altes Haus! 237
kann ich das nicht claſſificiren. Da haben wir ein anderes Ding, das wie eine Fauſt ausſieht, weil es zufällig fünf Abtheilungen hat, die wir mit ſehr viel Phantaſie für Finger nehmen können— da haben wir endlich dieſen curios herausgeputzten Galgenvogel— alles ſcheußlich— alles niederträchtig— alles Wahnſinn!— Aber da haben wir ferner,“ fuhr er, ſich umwendend und Rafael mit einem freundlichen Blicke anſehend, fort,„einen jungen Burſchen, früheren Taugenichts, der eine ganz geſcheite Idee und den Muth hat, ſie zu malen— ja, Rafael,“ ſagte er in einem Tone, der wie ein Orakel klang,„hol' mich der Teufel, in Dir ſteckt etwas, und Du ſollſt Beſſeres lernen, als Stiefel putzen und Röcke aus⸗ klopfen!“
Der junge Burſche wäre gern vor dem Maler auf die Kniee gefallen, doch da er wußte, daß ihm dies unfehlbar Ohrfeigen ein⸗ getragen hätte, ſo begnügte er ſich, die Hände zuſammenzufalten und in einem vor Innigkeit zitternden Tone zu ſagen:„Ach, Herr Walter, es iſt mir gerade, als hätten Sie mir etwas Großes ge⸗ ſchenkt, es macht mich doppelt glücklich, daß gerade Sie ſo zu mir ſprechen!“
„Und da ich es gerade ſage,“ erwiederte der alte Maler mürriſch,„kannſt Du es auch glauben; bilde Dir aber nicht ein, daß ich in der koloſſalen Simpelei hier nur eine Spur von Talent erblickt hätte— ehrlich geſagt, was Zeichnung und Malerei an⸗ belangt, habe ich nie etwas Entſetzlicheres geſehen; dafür ſollte man Dich durchhauen, bis Dein Buckel eben ſo ſchwarz wäre wie das Geſicht dieſes Ungethüms— und doch ſteckt Talent in Dir.“
„Das kann ich leider nicht verſtehen, Herr Walter,“ erwiederte Rafael in bittendem Tone;„ich war vorhin ſo froh über das, was Sie geſagt, und könnte jetzt weinen— glauben Sie denn nicht, Herr Walter, daß ich zeichnen und malen lernen könnte, wenn ich ungeheuer fleißig ſein würde?“
„Zeichnen und malen lernen— warum denn nicht? Du würdeſt


