236 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
Und als er ſo ſprach, legte er ſeine Hände auf die Kniee und blickte kopfnickend zu dem jungen Künſtler auf.
„Verzeihen Sie es mir, Herr Walter,“ ſagte dieſer kleinlaut, „das Stück Leinwand hat mir Herr Rüding geſchenkt und Herrn Rodenberg's Farben wären ohnehin eingetrocknet!“
„Ein unvergleichlicher Kerl!“ erwiederte der alte Maler, indem er bald das Bild, bald deſſen Verfertiger betrachtete— und das haſt Du ganz allein erdacht und ausgeführt?“
„Ja, Herr Walter, ein guter Freund, der zufällig ein Neger iſt, hat mir zum Modell geſeſſen.“
„Und auch drinnen der Papagei?“
„Ja, Herr Walter— wenn Sie ſehr böſe darüber ſind, ſo ſchimpfen Sie mich aus, aber ich bitte Sie dringend, ſagen Sie es den anderen Herren nicht!“
„Ich habe gar keine Urſache, böſe zu ſein und Dich auszu⸗ ſchimpfen, es hat mich das im Gegentheile außerordentlich amuſirt: ein heiliger Dreikönig iſt freilich eine ganz verfluchte Idee— ein Wahnſinn— aber es iſt Methode in dieſem Wahnſinne.“
Rafael athmete aus tiefſter Bruſt auf, er fühlte eine wunder⸗ bare Erleichterung, und Herr Walter ſah dabei ſo ernſt, aber doch ſo gemüthlich aus, daß Rafael es, obgleich mit zögernden Schritten, wagte, ſich in einem großen Bogen zu nähern und hinter den alten Maler zu ſtellen.
„Wenn ich vorhin ſagte, es ſei Methode in dieſem Wahnſinne, ſo will ich damit ausdrücken, daß Du eine ganz erträgliche Idee, die ich Dir niemals zugetraut, begreiflicher Weiſe hundemäßig ausgeführt haſt.“
„Ja, es iſt gewiß ſehr ſchlecht!“ ſeufzte der junge Künſtler.
„Unter dem Affen, ohne Dir ein Compliment machen zu wollen! Da haben wir eine ſchwarze Scheibe mit rothen und weißen Freßwerkzeugen und mit einem Paar weiteren Oeffnungen, wo ſchwarze Flintenkugeln in einer weißen Umhüllung ſchwimmen, anders


