So leb' denn wohl, du altes Haus! 235
that dies ſingend und ſehr vergnügt; zur Abwechslung pfiff er auch eine bekannte Weiſe, dann ſang er wieder und kehrte hierauf, halb ſingend, halb pfeifend, nach dem Zimmer zurück, deſſen Thür er begreiflicher Weiſe hatte offen ſtehen laſſen.
Doch mit welch ſchneidendem Tone brach er mitten im Ge⸗ ſange ab, als er nun, auf der Schwelle ſtehend, Walter vor ſeinem Bilde ſitzen ſah!— Und derſelbe geberdete ſich, ganz gegen ſeine Gewohnheit, förmlich wie unſinnig— er, den man nie anders wie finſter und ernſt zu ſehen pflegte, in ruhigen, abgemeſſenen Be⸗ wegungen, hatte die Haare ſeines Kopfes mit beiden Händen erfaßt und jauchzte vor Freude.
Ja, ja, da ſaß Walter, den er am meiſten fürchtete— wenn es noch Rodenberg geweſen wäre oder Rüding— ſelbſt der traurige Knorx wäre ihm angenehmer geweſen— aber der alte, mürriſche Walter!
Rafael's erſte Idee war, umzuwenden und davon zu laufen; doch hatte er glücklicher Weiſe Künſtlerſtolz genug, um dies nicht zu thun.— Den Kopf kann er mir nicht abreißen, dachte er bei ſich— einen Puff will ich in Gottes Namen aushalten!— Und ſo blieb er denn groß, gefaßt und erwartungsvoll auf der Schwelle ſtehen.
Es dauerte eine Zeit lang, ehe Walter von ſeinem förmlich krampfhaften Lachgebrüll wieder zu ſich ſelber kam, während ihm zahlreiche Thränen aus den Augen ſtürzten und wobei er mehrere Male ausrief:„Nein, das iſt zu toll— was zu arg iſt, iſt zu arg— Gott ſteh' mir in Gnaden bei— und das haſt Du wirklich ſelbſt gemalt?“
„Ja, Herr Walter, das habe ich wirklich ſelbſt gemalt,“ er⸗ wiederte Rafael ruhig und feſt, wie es für dieſen großen und ent⸗ ſcheidenden Augenblick auch vollkommen paſſend war.
„Das haſt Du alſo ſelbſt gemalt?— Ja, hier ſteht's ja: Rafael pinxit— ein heiliger Dreikönig— der Himmel ſteh' mir bei, ſo was iſt noch nicht da geweſen, ſo lange die Welt ſteht— Rafael, ich ſtaune Dich an— Du biſt ein unvergleichlicher Kerl!“


