Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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234 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. zum beſonderen Vergnügen, es durch kühne Pinſelſtriche hier und da noch zu größerer Vollendung zu bringen. Auch hatte das Bild bereits eine erklärende Unterſchrift, welche dem jungen Künſtler nothwendig erſchien, wie wir dem geneigten Leſer jetzt mittheilen wollen und dadurch unſern Anſpruch rechtfertigen, daß Rafael als denkender Künſtler gearbeitet,

Auf dem dunkelgrünen Hintergrunde ſtanden nämlich mit rother Farbe die Worte: ‚Ein heiliger Dreikönig“, womit offenbar der ſchwarze königliche Balthaſar gemeint war, welcher neben Myrrhen und Weihrauch auch noch ganz gut einen Paradiesvogel zum Geſchenk hätte bringen können.

Das Bild ſah in ſeinen Farben und ſeiner Unterſchrift ge⸗ lungen, ja, prächtig aus; auch hatte Rafael, um den Effect des Rahmens nicht zu vermiſſen, rings herum Streifen von Goldpapier geklebt, die von ſo außerordentlicher Wirkung waren, daß Rafael, ſich mit dem Kopfe zurücklehnend, ſich geſtehen mußte, dieſes ſein Erſtlingswerk ſei keine gewöhnliche Arbeit.

Es war dies allerdings ein Irrthum, aber ein verzeihlicher Irrthum, und Aehnliches iſt ſchon beſſeren Künſtlern und größeren Geiſtern vorgekommen, wogegen anderentheils die Beſcheidenheit des jungen Künſtlers nicht genug anerkannt werden kann; hätte er doch unter das Bild ſeinen ganzen Namen ſetzen können: Friedrich Schollinger pinxit“, in der Art, wie er die Namen anderer Maler auf Bildern häufig geleſen, aber er begnügte ſich mit dem ihm von ſeinem Herrn gegebenen Beinamen und ſöriab in die rechte Ecke: ‚Rafael pinxit.“

Soeben erſt hatte er das geſchrieben, und wir müſſen geſtehen, daß er das hiedurch nun ganz vollendete Kunſtwerk mit einem förmlichen Wonneſchauer betrachtete, ja, der Gedanke, vielleicht ein großer Künſtler werden zu können, griff ihn wahrſcheinlich in Ver⸗ einigung mit ſeinem etwas haſtig genoſſenen Frühſtücke ſo ſehr an, daß er das Zimmer auf wenige Augenblicke verlaſſen mußte. Er