So leb' denn wohl, du altes Haus! 231
Sorgfalt, vollführte die ihm gegebenen Aufträge pünktlich, prügelte ſich nicht mehr mit den Buben der Nachbarſchaft herum, ließ den ausgeſtopften Papagei keine Unterredungen mehr halten mit den harmlos Vorüberwandelnden, und was Figaro anbelangte, ſo war es an ſich ſchon unmöglich, ſeine alten Späſſe mit dem Hunde zu treiben, da dieſer nur hier und da ſeinen ehemaligen Herrn beſuchte und es für gewöhnlich vorgezogen hatte, bei der ſanfteren Conchitta zu bleiben.
Als nun eines Tages Rafael erklärte, er wolle Morgens eine Stunde früher kommen, um ſeinen Dienſt zu beſorgen, da er es für ſehr nothwendig halte, die Schule wieder zu beſuchen, ſo änderte ſich Walter's Anſicht inſoweit, als er den jungen Burſchen entweder für einen großen Heuchler erklärte oder für einen Kerl, aus dem i'mal was Rechtes werden könne.
4,„Ich habe ihn ſchon einige Mal beobachtet,“ ſagte der alte Maler finſter;„er hat ſich ein Skizzenbuch angeſchafft und copirt da hinein von den Studien, die dort an der Wand hangen. Ein⸗ mal gelang es mir, hinter ihn zu kommen, ohne daß er mich gleich bemerkte, und da ſah ich, als ich über ſeine Achſel ſchaute, daß er in daſſelbe Skizzenbuch hinein emfig ſchrieb.“
Wir dürfen dabei nicht verſchweigen, daß das ſo vortheilhaft veränderte Betragen Rafael's für ihn auch ſeine günſtigen Folgen bei Rodenberg hatte, denn dieſer, welcher immer ſeine Späſſe mit der kleinen Vogelſcheuche getrieben hatte, redete jetzt in einem ernſteren, ja anſtändigeren Tone mit ihm, wodurch ſich nun Rafael wieder ſo gehoben fühlte, daß er alles Mögliche that, um ſeinen Dienſt mit Umſicht und Eifer zu erfüllen.
Die Sonntage hatte Rafael faſt ganz für ſich; denn nachdem ſich Rodenberg angezogen hatte und mit Walter fortgegangen war, konnte er ziemlich ſicher ſein, weder von dieſen Beiden, noch von Rüding oder Knorx beläſtigt zu werden. An ſolchen Tagen ſpeisten die Künſtler gewöhnlich auswärts, wenn ihre Kaſſe nicht zu ſchlecht
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