42 Vierzehntes Kapitel.
maſſe, welche noch vor Kurzem die breite Fahrſtraße beſetzt gehalten hatte, war verſchwunden, die meiſten von ihr nach Hauſe zurück⸗ gekehrt, und nur Wenige hatten ſich drunten in der Nähe des Lagers der Künſtler abermals aufgeſtellt.
Rodenberg athmete aus tiefer Bruſt in dem wohlthuenden Gefühle, mit ſeinen Gedanken allein zu ſein. Dieſe Gedanken aber eilten geſchäftig hin und her, flogen zur Fahnenburg hinauf, wo er ſie zum erſten Male geſehen, zeigten ihm das Blatt Papier, das er für ſie gezeichnet, ſie riefen ihren Namen: Juanita, ſie zogen und ſchoben ihn vorwärts zur Moosbank an der Quelle, ſie flüſterten ihm zu, daß das ſchöne Mädchen ihn erwarte, daß ſie ihm zum Zeichen ihres Wunſches, ihn wiederzuſehen, das Horn geſandt, und daß er nichts zu thun habe, als dieſes Horn an ſeine Lippen zu ſetzen, um ihr in einem weichen, ſanft anſchwellenden Tone zu ſagen, daß er da ſei.
Da nun dieſe ſeine Gedanken mit dem heißen Wunſche ſeines Herzens übereinſtimmten und er fand, daß ſie mit ihrem Rathe vollkommen Recht hatten, ſo ſetzte er das Horn an den Mund und entlockte ihm einen ſanft klingenden Ton.
Alles blieb ſtill um ihn her.
Er erinnerte ſich aus alten Geſchichten und Mährchen, daß ähnliche Zeichen dreimal gegeben würden, und da er auch zum zweiten Male vergeblich geblaſen hatte, ſo entlockte er zum dritten Male ſeinem Horn einen mächtigen, weithin klingenden Ton.
Wie ſchlug ihm das Herz in Erwartung einer Antwort, und wie klopften ſeine Pulſe, als er nun dieſe lang erwartete Antwort vernahm: den Ton eines Horns, weich nachklingend, melancholiſch!
Woher der Klang des Hornes kam, wußte der wilde Jäger ganz genau, er konnte nicht fehlen. In raſchen Sätzen mit hoch⸗ klopfendem Herzen, mit gerötheten Wangen und blitzenden Augen eilte er den kleinen, geſchlungenen Pfad hinab, der uns ſchon wohl bekannt iſt. Schon hörte er das Rauſchen der Quelle, ſchon er⸗


