38
Dreizehntes Kapitel.
gehöriger Ordnung vor ſich gehen könne. Hierauf ſah er ſich nach ſeinen beiden Gefährten um, von denen der Teufel ſich auf dem Feſte gütlich that, während der Tod nicht weit von ſeinem Pferde mit über einander geſchlungenen Armen an einer Buche lehnte und ernſt auf das luſtige Treiben blickte.
„Ich kann mich nicht entſchließen,“ ſagte er zu dem heran⸗ tretenden Rodenberg,„mich unter die Fröhlichen zu miſchen. Mit dem Anzuge, den ich auf dem Leibe habe, iſt jener düſtere Geiſt wieder über mich gekommen, der mir ſonſt nur in tiefer mächtiger Stunde, wenn ich einſam bin und mich ſehr allein fühle, zur Seite ſchreitet.“
„Bah, wer wird ſolche Gedanken an einem ſo heiteren Tage haben! Gehe hinab zu den Luſtigen, ſetze dich mitten in ihren Kreis und ſinge ihnen:
Mihi est propositum, In taberna mori—
das wird in dem Munde des Todes von ſchlagender Wirkung ſein!“
„Warum ſagteſt Du: geh' hinab,“ fragte Knorx mit einem forſchenden Blicke auf den Anderen,„und nicht: komm' herab? Haſt Du etwas Beſonderes vor, das Dich abhält, mit dabei zu ſein?“
„Im Gegentheil,“ lachte der wilde Jäger,„ich hoffe, ſpäter noch ſehr dabei zu ſein; doch hielt ich es für meine Pflicht, nach den Pferden zu ſehen, und um ehrlich zu ſein, will ich Dir ge⸗ ſtehen, daß ich mich ein wenig in die Waldeinſamkeit zurückziehen möchte. Mich hat dieſer Kampf, obgleich es ja nur ein Scherz war, tüchtig aufgeregt. Ein Trinker bin ich leider ohnehin nicht, wie Du weißt, und da werde ich mir ein ſtilles Plätzchen auf⸗ ſuchen, wo ich mich auf den Rücken lege, um an den Baum⸗ wipfeln hinauf zu ſchauen. Und ich liebe es ſehr, ſo von unten herauf in die Laubmaſſen zu blicken, beſonders wenn ſie von der


