Dreizehntes Kapitel.
Der wilde Jäger war der Einzige, welcher einen Vortheil bei dem verunglückten Angriffe davon getragen hatte, den rothen Mantel des Ritters Iſegrimm nämlich, welchen er als Schabracke auf ſeinen Sattel legte, was prachtvoll ausſah, die Freude der Zu⸗ ſchauer erhöhte, aber einen eben ſo heftigen Schmerz in der Bruſt des tapferen Ritters hervorrief. Man entnahm dies aus einigen nicht gut wiederzugebenden Rufen, welche Neidhart von Iſegrimm durch das Sprachrohr mit ſeiner Stentorſtimme herabrief.
Der jetzt abgehaltene Kriegsrath beſchloß, daß ein Theil der Truppen, namentlich die Konſtabler, den Feind von der Stelle aus, wo ſie ſtanden, mit einem mörderiſchen Feuer bedienen ſollten, während ein Theil des Heeres, worunter die beſſeren Truppen, die Fahnenburg in größter Stille und Heimlichkeit zu umgehen hätten, um ſie auf einer anderen zugänglichen Seite zu erſtürmen.
Um die Belagerten möglichſt zu täuſchen, blieben die Muſik⸗ corps bei den Conſtablern ſtehen und ſpielten, um das Sieges⸗ bewußtſein des dieſſeitigen Heeres auszudrücken, allerlei angenehme und ſcherzhafte Weiſen, was alsdann in der Burg einen wunder⸗ bar beruhigenden Eindruck ausübte, denn nicht nur hörte die Batterie auf, zu ſpielen, ſondern man bemerkte auch, wie auf der Plattform des Thurmes ein Tiſch aufgeſtellt wurde, wie man den⸗ ſelben mit Eßwaaren aller Art und mit Humpen bedeckte, und wie der Ritter Neidhart von Iſegrimm mit ſeinem Burgcaplan, der Drache Griesgram, ja, ſogar die gefeſſelte Freude daran Platz nahmen und fröhlich tafelten.
Während deſſen aber ſchlich das nimmer raſtende Verhängniß ſtill, heimlich, aber ſicher auf einem großen Umwege um die Burg herum, von einem ortskundigen Landmanne geführt, und dieſes Verhängniß, vertreten durch die Muthvollſten des wilden Heeres und angeführt durch Rodenberg, der ſeinen Rappen, wie auch die Uebrigen ihre Pferde, im Lager zurückgelaſſen hatte, begann jetzt langſam einen kleinen Fußweg hinaußzuſchleichen, der oben zu einer


