Dreizehntes Kapitel.
warfen ſich die Jäger zu Fuß auf die Verſchanzung, rißen ſie aus einander und ſchwangen ſich, ihre langen Jagdſtöcke als Spring⸗ ſtangen benutzend, über die Baumäſte hinüber, ihnen nach die Reiter, Rodenberg auf ſeinem Rappen, der kaum mehr zu halten war, voran. Nur eine geringe Aufmunterung brauchte er dem edeln Thiere zu geben, und es trug ihn in Einem Satze in die Verſchanzung hinein bis dicht vor den Ritter Iſegrimm, der, dieſer Tapferkeit weichend, ohne ſein zweihändiges Schwert auch nur noch einmal zu gebrauchen, dem Burgthore zufloh mit einer Geſchwindigkeit, die durch den wehenden Scharlachmantel und die wallenden rothen Federn einen erhabenen Anblick bot.
Doch war ihm das Verhängniß dicht auf den Ferſen: Roden⸗ berg nämlich folgte ihm über alle Hinderniſſe hinweg und erwiſchte an der Zugbrücke einen Zipfel von dem rothen Mantel des Burg⸗ herrn— leider nur dieſen, denn der tapfere Neidhart von Iſegrimm verſchwand mit Zurücklaſſung ſeines Kleidungsſtückes durch das Burgthor, welches donnernd hinter ihm zugeſchlagen, verriegelt und verrammelt wurde. 3
Da hörte der wilde Jäger, daß in der Burg die Signalhörner außerordentlich ermunternd zum Angriff blieſen und daß die Zu⸗ ſchauer, die oberhalb der Fahnenburg poſtirt waren, ihm eifrig zuriefen. Er wandte ſeinen Blick raſch gegen die letzteren und be⸗ merkte mit Vergnügen, wie manch' weißes Taſchentuch in zarter Frauenhand ihm entgegenwehte, aber er ſah auch nicht ohne einige Beſorgniß, daß ihm andere Hände haſtig Zeichen machten, zurück⸗ zukehren. In der richtigen Vorausſetzung, daß vor der Burg das Geſchütz zu ſpielen anfange, oder daß man vielleicht im Begriffe ſei, die Angreifer von den Mauern aus mit Balken oder ſiedendem Oel zu bedienen, ließ er ſeinen Rappen raſch einen Satz ſeitwärts machen und hatte ſich auf dieſe Art eben in Sicherheit gebracht, als von den Zinnen der Burg eine mächtige Feuerſpritze zu ſpielen anfing und die nahe ſtehenden Hellebardiere und Büchſenſchützen


