Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ueber allen Gipfeln iſt Ruh. 283

unausſprechlichen Dankbarkeit gegen ihn erfüllt: ich bin zu wahr und aufrichtig, dies zu läugnen. O, Sennora, es würde Ihnen in gleichem Falle gewiß ebenſo ergangen ſein!

Ah, darin haben Sie Recht, es ging mir in faſt gleichem Falle ebenſo wie Ihnen: auch ich genoß den Unterricht dieſes großen

und berühmten Künſtlers, auch mein Herz ſchlug ihm entgegen voll

Dankbarkeit und Liebe! 3

Das habe ich nicht von mir geſagt! rief das junge Mädchen erſchrocken.

Nein, Sie haben es nicht geſagt. Sie ſagen überhaupt nur das, was Sie ſagen wollen, nachdem Sie vorher reiflich überlegt, ob es ſich auch ſagen läßt und ob es, wenn Sie es ſagen, nicht compromittirend für Sie iſt. Aber ich ſehe da zu Ihren Füßen einen Blumenſtrauß liegen, ſagte Frau Hildegard mit einer ma⸗ liciöſen Ruhe,einen Blumenſtrauß, dem Sie, wie ich vorhin ge⸗ ſehen, einen anderen Platz gegönnt, den Sie an Ihre Lippen drückten und dann wie im Schrecken von ſich ſchleuderten ach ja, mit

dem gleichen Ausdrucke des Schreckens, mit dem Sie mich ſoeben

anſahen. Es ſind ſchöne, friſche Waldblumen. Darf ich mir vielleicht erlauben, Sie zu fragen wo Sie dieſelben gepflückt? Ich habe ſie nicht gepflückt, Sennora, ich habe ſie.... O, reden Sie nicht aus! rief die Andere mit aufflammender Heftigkeit;vielleicht ſagen Sie mir eine Lüge, vielleicht wagen Sie es, mit Ihrer verletzenden Ruhe die Wahrheit zu ſagen, die Wahrheit, die ich weiß die ganze, bittere, traurige Wahrheit! O, wüßten Sie die Wahrheit, Sennora, verſetzte das Mädchen, mühſam an ſich haltend,wie glücklich wäre ich, wie glücklich wür⸗ den Sie ſelbſt ſein, und wie wünſche ich von Herzen, daß Sie glück⸗ lich ſein möchten! Ich brauche kein Glück, das Sie mir wünſchen; ich brauche und verlange überhaupt gar kein Glück mehr auf dieſer Welt, mein Leben liegt abgeſchloſſen hinter mir! Dieſes Letztere ſagte