Ueber allen Gipfeln iſt Ruh. 279 ſie aufathmend fort,„wäre dieſe Ruhe nur Täuſchung, fühlten Sie vielleicht in Ihrem jungen Herzen auch zuweilen etwas von ähn⸗ lichen Stürmen?“
„Es erſchien mir ſo maleriſcher,“ antwortete die Künſtlerin, indem ſie ſich tief auf ihre Zeichnung neigte.
„Glücklich, wenn dem ſo iſt! Doch wenn ich nicht irre, hörte ich Sie vorhin Worte ausſprechen, die mich vermuthen laſſen, Ihr Herz fühle nicht mehr ſo ruhig, als Sie vielleicht ſelber glauben. Sie fanden in dieſer vom Sturme bewegten Buche, oder vielleicht in dem zerriſſenen Epheu ein Bild Ihres Lebens!“
„Ah, Madame,“ erwiederte Conchitta aufblickend,„Sie wieder⸗ holen die Worte, welche ich, poetiſch angeregt, durch die Stille dieſes ſchönen Morgens vor mich hin ſprach!“
„Allerdings Worte, die, für kein menſchliches Ohr berechnet, wie ein ſchmerzlicher Seufzer Ihres Herzens klangen!“
„Warum ſchmerzlich, Sennora?“
„Ei nun, vielleicht in Sehnſucht nach einem unbekannten Glücke oder auch in der Befürchtung, ein ſchon gekanntes zu verlieren!“ „Ich verſtehe Sie in der That nicht, Sennora!“
„O, Mademoiſelle Conchitta,“ rief die Frau des Malers mit einer ungeduldigen Bewegung,„wollen Sie ſich nicht ein klein wenig Mühe geben, mich zu verſtehen— oder wünſchen Sie, daß ich deutlicher rede?“
„Gewiß, Sennora, ich wünſche das, wenn Sie mir in der That eine Mittheilung zu machen oder eine Frage zu ſtellen haben!“
„Mittheilungen möchte ich von Ihnen erwarten, und es gibt Fragen, die ſehr ſchwer zu ſtellen ſind!“
„Ich kam aber nicht hieher, Sennora, um Ihnen irgend eine Mittheilung zu machen,“ ſagte die Spanierin mit eben ſo viel Ernſt als Ruhe,„und wenn Sie mir eine Frage ſtellen wollen, die Ihnen ſo ſchwer wird, auszuſprechen, ſo könnte mir die Beant⸗ wortung derſelben auch wohl nicht leicht werden!“


