Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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278 Elftes Kapitel.

So ſtöre ich Sie wohl?

O, gewiß nicht! Doch wenn dies vielleicht einer Ihrer Lieb⸗ lingsplätze iſt und Sie ungeſtört zu ſein wünſchen, ſo will ich mich entfernen.

Warum das? Dieſe Bank hat Platz für uns beide; laſſen Sie ſich nicht ſtören, zeichnen Sie ruhig fort!

Nach dieſen Worten ſetzte ſich Frau Hildegard neben Con⸗ chitta hin, deren Skizzenbuch offen auf ihrem Schooße ruhte, nur hatte ſie, ſei es Abſicht oder Zufall, ihr Taſchentuch auf das an⸗ gefangene Blatt fallen laſſen.

Nach dem geräuſchvollen Treiben, welches vor Kurzem noch dieſen Garten erfüllt hat und alle Welt mit ſich fortgezogen, ſagte Frau Olfers,konnte ich mit Recht vorausſetzen, hier Niemanden zu finden.

Es war dies, wie wir bereits wiſſen, der gleiche Beweggrund, welcher die junge Künſtlerin veranlaßt hatte, hieher zu gehen; bei ihr war es Wahrheit, bei der Anderen nur ein Vorwand, denn Frau Hilde gard hatte mit ihrem ſcharfen Auge Conchitta in den Alleen des Schloßgartens geſehen und war ihr gefolgt, dann allerdings in der Vorausſetzung, ſie hier allein zu finden.

Was zeichnen Sie, wenn man, ohne eine Indiscretion zu begehen, fragen darf?

Obgleich die Spanierin bei dieſer Frage wohl fühlte, daß ſich ihre Wangen rötheten, ſo zögerte ſie doch keinen Augenblick, ihr Taſchentuch von dem Skizzenbuche zu entfernen.

Ah, rief die Frau des Malers mit einem eigenthümlich klingenden Tone der Stimme,Sie haben dieſe prächtige Buche mit einer ſeltſamen Phantaſie wiedergegeben!Das iſt ſonder⸗ bar, fuhr ſie nach einer Pauſe fort, während welcher ſie mit ihren großen, unheimlich durchſichtigen Augen Conchitta ſcharf und forſchend betrachtetwunderbar bei dieſem ſchönen, ſtillen Morgen, bei dieſem klaren Himmel, bei der Ruhe ihres Gemüthes! Oder fuhr