Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ueber allen Gipfeln iſt Ruh.

aber nicht in der wunderbaren Ruhe, mit welcher derſelbe hier in der Wirklichkeit vor ihr ſtand, ein tobender Wind beugte die Aeſte unter ſeine Wuth, ſtreute Zweige und Blätter weit hinaus und hatte ſogar den ſchlanken Epheu zerriſſen, ſo daß er nicht mehr den Stamm umgak, vertrauend und innig er mußte ſcheiden von ſeinem lieben theuren Freunde.

Ein Bild meines Lebens, ſeufzte Conchitta,losgeriſſen zu werden von allem, was mir theuer iſt, ohne Schutz und Hülfe den Stürmen dieſer Welt preisgegeben! Da ſie ſich allein glaubte, ſo ſprach ſie dieſe Worte halblaut vor ſich hin.

Wohl dem, der dabei eine Stütze in ſeinem eigenen Bewußt⸗ ſein findet! hörte das junge Mädchen jetzt auf einmal eine trockene, etwas ſcharfe Stimme dicht hinter ihr ſagen, und dies kam ſo plötzlich und unerwartet, daß ſie, auf's höchſte überraſcht, im erſten Moment nicht wagte, aufzuſchauen, ſo daß die Stimme, welche dieſes Erſchrecken wohl bemerkte, fortfuhr:Es iſt kein böſer Geiſt, der zu Ihnen ſpricht, es iſt eine Frau von Herz und Gemüth, eine Frau, die ſanft und mitleidig iſt, wo ſie findet, daß dieſe ſchönen Eigen⸗ ſchaften verſtanden werden.

Da erſt blickte die junge Spanierin in die Höhe, und wenn ſie ſich auch ſo eben beunruhigt, erſchreckt gefühlt hatte, ſo ver⸗ ſchwanden doch die Spuren dieſer Erregung eben ſo raſch wieder, wie ſie gekommen, und auf den ſchönen Zügen Conchitta's zeigte ſich ihre gewöhnliche Ruhe und Sicherheit.

Ah, Sennora Olfers, ſagte ſie, indem ſie aufſtehen wollte, ich glaubte mich ganz allein hier!

Ah, Mademoiſelle Conchitta, wir beide ſind auch in der That hier ganz allein!

Ich mit Abſicht und in der Hoffnung...

Auch allein zu bleiben! ſagte haſtig die Frau des Malers.

In der Hoffnung, an einem ſo ſtillen Morgen hier unge⸗ ſtört zeichnen zu können.