Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Elftes Kapitel.

Einen Strohhut, mit dem ihr Kopf bedeckt war, hat ſie eben ſo wie das Buch neben ſich auf die Bank gelegt, die Blumen mit beiden Händen ergriffen und drückt ihren feinen Mund auf die duf⸗ tigen Blüthen. Dabei ſchließt ſie die Augen und ſcheint zu träumen.

Ja, ſie träumt wirklich, und ihre Gedanken ſchweben im Traume aus dem ſtillen Garten hinweg über Feld und Flur nach jenen fernen Bergen hin, wo die kleine Fahnenburg ſteht, umrauſcht von Eichen und Tannen.

Aber es iſt da nicht mehr, wie vor wenigen Tagen, als ſich Conchitta dort mit ihrer Schweſter befand. Zwiſchen dem tiefen Grün des Laubes blitzen bunte, leuchtende Farben auf, lautes⸗ Rufen erſchallt und rauſchende Muſik. Sie möchte ſo gern die trauliche Waldeinſamkeit um ſich herum feſthalten wie eine ſchützende Umhüllung. Vergebliches Bemühen! Lauter Jubel, Lachen und Geſang tönt rings umher, ſo von allen Seiten, daß auch ſie ſich, obgleich widerſtrebend, in den tollen Strudel mit hinein⸗ geriſſen fühlt und glücklich iſt, als ſie endlich den ſchützenden Arm eines Freundes findet.

An ihn ſchmiegt ſie ſich faſt ängſtlich, zu ihm blickt ſie empor, ſo vertrauend, ſo herzlich, ſo innig, ſo

Da zerreißen plötzlich die Träume des jungen Mädchens, es läßt die Maiblumen auf den Raſen niederfallen und greift haſtig nach ſeinem Skizzenbuche.

Vor ihr, an der andern Seite des freien Platzes, befand ſich eine prächtige Buche, deren ſchöne Formen ſie auf dem Papier wiederzugeben ſich bemühte; um den Stamm des majeſtätiſchen Baumes hatte ſich Epheu geſchlungen, ſo vertrauend, ſo herzlich,

ſo innig, ſo liebend

Immer und immer wieder dasſelbe Bild, ſo ſehr ſich auch Conchitta bemühte, ihre Gedanken davon abzuwenden

Das junge Mädchen lächelte traurig und fing an zu zeichnen; raſch entſtanden unter ihrer Künſtlerhand die Formen des Baumes,