274 Zehntes Kapitel.
Er ritt melancholiſch und trübſelig auf ſeinem Eſel und gönnte keinen einzigen Blick dem luſtigen, wohlbeleibten Bacchus, der neben ihm auf einem zum Leoparden umgewandelien, noch viel kleineren Pferde ritt, als der Eſel des Waldgottes war.
Und doch wäre es ſchon der Mühe werth geweſen, dem Bacchus, beſonders aber deſſen Gefolge freundliche Blicke zuzuwenden. Die⸗ ſes Gefolge beſtand nämlich aus einem Karren mit einem großen, bekränzten Weinfaſſe, welcher von einem ſchönen Geſpann weißer Ochſen mit vergoldeten Hörnern gezogen wurde: dann erſchien noch eine Munitions⸗ oder Proviant⸗Colonne unter Bedeckung der Lands⸗ knechte und Büchſenſchützen, welche einen kleinen, von einem Eſel gezogenen Marketenderkarren umringten, auf dem eine zierliche Marketenderin ſaß. Man hatte einen ſehr jungen Künſtler ohne jede Spur von Bart für dieſe Rolle paſſend gefunden und ihm die Verpflichtung auferlegt, aus ſeinem viel kleineren Faſſe, als das des Ochſenwagens, unterwegs den Dürſtenden Labung zukommen zu laſſen, weßhalb man auch ſpäter, als der Zug einmal die ſtau⸗ bige Landſtraße erreicht hatte, häufig genug Reiter und Fußgänger ſehen konnte, welche ihre Stelle im Zuge verlaſſen hatten und ſich bei dem kleinen Eſelskarren zu ſchaffen machten.
Eine Art von Polizei übten bei dieſen Veranlaſſungen, ſo wie bei anderen kleinen Unordnungen, welche beim Zuge vorfielen, die flinken Rothhäute aus, welche auf ihren unermüdlichen Pferdchen bald hier, bald da erſchienen und bald den eigenen Kameraden, bald den zu nahe herandrängenden Zuſchauern mit dem Wurſſpieße und dem ſtets bereiten Laſſo drohten.
So zogen ſie dahin, die glücklichen Künſtler, in heiterer Luſt und beſter Laune bei den rauſchenden Klängen der Muſik, umringt und gefolgt von einer zahlloſen Menſchenmenge zu Wagen, zu Pferde und zu Fuße— ſo zogen ſie dahin, den fernen Bergen zu, über ſich den heiteren, blauen, ſtrahlenden Himmel, Jubel im Herzen, umſpült von Licht und Sonnenglanz.


