272 Zehntes Kapitel.
und hinter dieſem ein Trupp halb geharniſchter Reiter, Büchſen⸗ ſchützen, ein Haufen Landsknechte; nun kamen Conſtabler mit klei⸗ nen, leichten Geſchützen: ein Theil Leute in mittelalterlicher Bauern⸗ tracht zogen dieſe Feldſchlangen, während andere, Marodeurs oder Plünderhaufen vorſtellend, mit Aexten, Beilen, roſtigen Schwertern und alten Lanzen bewaffnet, hinter den Conſtablern drein zogen.
Von dieſer wilden Bande, meiſtens aus ganz jungen Künſtlern beſtehend, bildete das in angemeſſener Entfernung hinter denſelben einherziehende Muſikcorps zu Fuß einen angenehmen Uebergang zu
dem Hofſtaate des Prinzen Maiwein, der, eine blumenbekränzte Fahne voran, aus glänzend coſtumirten Reitern in der weniger kriegeriſchen, aber reicheren Tracht des achtzehnten Jahrhunderts beſtand.
Hellebardiere umgaben die prächtige Caroſſe des Fürſten der waldesduftigen Einſamkeit. Es war dies ein Fahrzeug aus fabel⸗ hafter Zeit, in einem phantaſtiſchen Style erbaut: die ſchweren Räder erſchienen wie Kränze von Laubgewinden mit ſilbernen Blü⸗ then, und während ſich der untere Theil des Wagens ſelbſt der Muſchelform näherte, ſah man über demſelben, von ſechs reich vergoldeten Säulen getragen, einen Baldachin, aus zierlichem Ge⸗ flechte rankender Pflanzen gebildet, die mit Waldmeiſter, Früh⸗ roſen und ſüß duftenden Maiblumen durchflochten waren. Hoch oben aber auf dieſem Baldachin thronte eine rieſenhafte Bowle, aus dem reinſten Golde geformt— Künſtler kennen kein anderes — in welcher ſich ein viel lieblicherer Amor als Cupido⸗Rüding befand und von hier aus mittels eines koloſſalen Schöpflöffels die Zuſchauer bedachte, wenn auch nicht mit Maitrank, ſo doch mit zierlichen Blumenſträußen.
Würdig reihte ſich dieſer verkörperten Poeſie der edle Ritter aus der Mancha an, vergeblich ausſpähend nach dem ſchönſten Weibe der Erde, der Dulcinea von Toboſo; während Sancho Panſa hinter ihm gemüthlich aus ſeinem Zwerchſacke frühſtückte, hielt
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