Der Wild⸗ und Rheingraf ſtieß ins Horn. 271
Lytton trat heran, legte ſeine Hand auf die Mähne von Ro⸗ derich's Pferd und ſagte mit leiſer Stimme:„Glaubſt Du in der That, Conchitta habe ſich nicht erbitten laſſen, mit Regierungsraths hinauszufahren? Mir hat ſie es abgeſchlagen.“
„Mir auch,“ gab Roderich zur Antwort, wobei ein Schatten über ſeine Züge flog.
„Sie liebe dergleichen Vergnügungen nicht, ſagte ſie.“
„Und die Künſtlerſchaft müſſe es ihr übel nehmen, wenn ſie als Zuſchauerin erſcheine, da ſie ihre Mitwirkung abgelehnt, und darin hat ſie nicht Unrecht.“
„Bei alledem wollen wir doch ſcharf in die Wagen der Zu⸗ ſchauer nach ihr auslugen— Weiber und Mädchen ändern häufig ihre Entſchlüſſe.“
„Die nicht.— Ich ſandte ihr einen Strauß Maienblumen mit ein paar ſcherzhaften Worten, worin ich ihr ſagte, die Kinder des Waldes hätten mich gebeten, dieſe kleinen Abgeſandten vor ſie gelangen zu laſſen und um ihr Erſcheinen zu bitten.“
„Und Alles vergebens?“
„Alles vergebens.“
„Fährt Deine Frau hinaus?“
„Schwerlich, ſie hat unerträgliches Kopfweh.“
„Aber die Kleine?“
„O, die werden wir irgendwo in einem Wagen finden!“ ſagte Olfers mit aufleuchtendem Auge—„ſie freut ſich unendlich auf das Feſt!“
„Schauen wir nach ihr um.“
„Aber jetzt vorwärts— es iſt Zeit!“
Ein junger Bildhauer auf einem leichten ungariſchen Pferde, welcher Adjutantendienſte bei dem Anführer des Kriegszuges that, ſprengte nun auf einen Wink Roderich's zum Garten hinaus und ließ die Reitermuſik abſchwenken und abmarſchiren. Ihr folgte in der vorbezeichneten Entfernung der Fahnenträger, dann Roderich,


