Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Zehntes Kapitel.

dargeſtellt, die Jeden überraſchte. Der zum Theil echte, zum Theil aufs genaueſte nachgemachte Anzug, die Tätowirung der wilden Geſichter, die tolle, verwegene Art, zu reiten, ſo gänzlich abweichend von europäiſchem Begriffe über Sitz und Führung, der gewandte Gebrauch des Tomahawks und des Wurfſpießes, die glänzenden Farben des Kopfſchmuckes, die fliegenden Scalpe machten einen wirklich draſtiſchen, wahren Eindruck.

Da erſchien auch der edle Ritter von la Mancha auf magerer Noſinante und hinter ihm Sancho Panſa auf einem kleinen Eſel, beide durch Maler mit äußerlich hierzu ſehr paſſenden Perſönlich⸗ keiten dargeſtellt. Der ſinnreiche Junker lenkte ſein Roß auf Rode⸗ rich und Lytton zu, ſenkte grüßend ſeine lange Lanze und ſprach: Edler Vorſtand einer achtbaren Künſtlergeſellſchaft! Nicht in der Hoffnung, am heutigen glorreichen Tage windmühlenartigen Rieſen oder der Erde entſtiegenen vermummten Kobolden zu begegnen, habe ich mich dieſer tapferen Schaar angeſchloſſen, ſondern vielmehr in dem richtigen Gefühle, daß bei einem Künſtlerfeſte auch ſichtbarlich nicht fehlen dürfen die Vertreter des Kampfes zwiſchen Idealismus und Realismus, und ſo ſtelle ich mich einem hochachtbaren Vor⸗ ſtande zur Verfügung; man verwende mich, wo und wie man will, doch am liebſten wäre es mir zum Schutze und Beiſtande der Tugend und Unſchuld, und wenn ich dabei in jeder Hinſicht Wun⸗ der der Ausdauer und Tapferkeit verrichte, ſo ſei es unter meinem Wahlſpruche: Dulcinea iſt das ſchönſte Weib der Erde!

Roderich reichte dem berühmten Ritter von der traurigen Ge⸗ ſtalt ſeine Hand, und nachdem er deſſen zierliche Rede mit einigen paſſenden Worten in getragenem Tone erwiedert, ſagte er in ſeiner gewöhnlichen Sprechweiſe:Ich war faſt ärgerlich, als Knorx uns im Stiche ließ, doch muß ich Dir offenherzig geſtehen, daß ich ſein Zurücktreten jetzt nicht mehr bedaure, denn die Nolle des Don Quixote iſt bei Dir in den vortrefflichſten Händen verſtehe mich, edler Ritter, was nämlich das Aeußerliche anbelangt.