262 Zehntes Kapitel.
Stämmen zu balanciren, welche in dem oben erwähnten Bache ſchwammen, um vor den ankommenden Zügen herzulaufen, um den⸗ jelben auf beiden Seiten zu folgen oder hintendrein zu traben, kurz⸗ um, überall zu ſein, oben, unten, vorn, hinten, in der Luft, auf der Erde und im Waſſer— und alles das mit Geſchrei und Joh⸗ len, unter pikanten Bemerkungen über die bekannten Künſtler, welche nicht nur durch ein lautes Gelächter der umſtehenden Rotte belohnt wurden, ſondern auch häufig ein Lächeln auf den Zügen ernſter, erwachſener Zuſchauer hervorriefen⸗
Für die Coſtumirten und Betheiligten am Feſte war es wohl einer der belohnendſten und angenehmſten Augenblicke, als man ſich hier im Garten am heutigen Morgen zum erſten Male fand, ſein Coſtume betrachten, loben und bekritteln ließ, um es mit dem An⸗ zuge eines Anderen eben ſo zu machen. Und welch maleriſches, buntes Gewimmel herrſchte hier, beſonders im nächſten Umkreiſe des Reſtaurations⸗Gebäudes, vor welchem ſich das Künſtler⸗Comite be⸗ fand, um noch einige nothwendige Anweiſungen zu geben und Be⸗ fehle zu ertheilen! 6
Von unſeren näheren Bekannten ſehen wir hier Roderich und Lytton; erſterer, der eigentliche Leiter des ganzen Feſtes und auch ſpäter der Anführer des zuſammengeſetzten Zuges, trug die Tracht eines Reiter⸗Offiziers aus dem dreißigjährigen Kriege, was für ſeine große, ſtattliche Geſtalt außerordentlich kleiſam war und was in ſeinem Ernſte und ſeiner gediegenen Echtheit einen ſchroffen Gegen⸗ ſatz bildete zu der Erſcheinung ſeines Freundes Lytton, welcher den Prinzen Maiwein vorſtellte und eben ſo phantaſtiſch als reich ange⸗ zogen war: er trug purpurne Seiden⸗Tricots mit feinen, lederfar⸗ benen Stiefeln und darüber eine anliegende Tunica von ſilbergrauem Sammt, deſſen Verzierungen aus den niedlichen Blüthen des Wald⸗ meiſters beſtanden, während ſein Barret mit einem künſtlich gemachten Buſche der gleichen, uns ſo wohlbekannten duftigen Waldpflanze ge⸗ ſchmückt war. Er ſah in ſeiner ſchlanken Geſtalt und feinem fri⸗


