Du ſiehſt mich an und kennſt mich nicht. 253
„Ihr verdient weder einen ſolchen Freund, noch einen ſolchen
Kaffee!“
„Zugeſtanden, aber wir wollen für beides dankbar ſein— he, Rafael, ſpüle die Waſſergläſer aus und geh' alsdann hinauf zu Knorx, ich höre den Kerl da oben immer herumtrappeln, und wir müſſen doch endlich erfahren, in was für ein Coſtume er ſich ge⸗ ſteckt hat— geh', lad' ihn zum Kaffee ein.“
Nafael ging, um zu thun, wie ihm befohlen war; doch kaum hatte er die Thür geöffnet, ſo prallte er mit einer erſchrockenen, jedenfalls ſehr verdutzten Miene zurück. Es traten aber auch gleich darauf zwei lange Geſtalten in das Gemach, deren Anblick voll⸗ kommen die entgegengeſetzte Wirkung hervorbrachte, als vorhin das Erſcheinen des Drachen Griesgram.
„A— a— a-—ah,“ machte dieſer und ſetzte hinzu:„abſcheu⸗ lich ſchön!“
„Der Teufel auch!“ rief der wilde Jäger.
„Bewahre Einen der Himmel!“ ſagte Cupido.
Herein traten Arm in Arm in ſichtlichem Behagen über ihre ſcheußlich⸗grotesken Masken: Knorx als magerer Tod, van der Maaßen als fetter Teufel. 6
Der Erſtere war in der That grauenhaft anzuſehen; er war ganz in ſchwarzen Tricot gekleidet, auf den das vollſtändige menſchliche Knochengerippe mit weißer Farbe ſo kunſtvoll gemalt war, daß man aus ſehr mäßiger Entfernung vollkommen getäuſcht wurde und ein wandelndes Skelet zu ſehen glaubte. Das Geſicht deſſelben war kunſtvoll, aber in entſetzlicher Weiſe durch wenige Striche in einen Todtenkopf umgewandelt. Das Phantom hatte das Haupt bedeckt mit einer erdfarbigen, barretartigen Mütze, von der eine lange, ſchwarze Straußenfeder hinten herabfiel. Dieſes, ſowie auch der lange, weiße Mantel, welcher die Rückſeite des Todes bedeckte und mit einem ſchwarzen Schädel über kreuzweiſe gelegte Knochen in der Art eines Ordensſternes geſchmückt war, milderte in etwas die


