42 Erſtes Kapitel.
finder aller möglichen wilden Streiche, die er mit den übrigen
Buben ausführte, war dabei ein gutes und freundliches Kind und der Liebling ſeiner Eltern. Eine eigene Stärke beſaß er darin, ſich oben im Schloſſe im langen Gange zu verſtecken, was er gern that und uns alle dann aufforderte, ihn zu ſuchen; doch war unſer eifrigſtes Bemühen, ihn zu finden, beſtändig vergebens, wobei er von ſeinem Verſtecke ein ſo ſtrenges Geheimniß machte und daſſelbe ſo unbegreiflich war, daß ſelbſt ſein Vater zuweilen lachend ſagte: wenn der Bube nicht im Stande iſt, durch die Mauern zu ſchlüpfen, oder verſchloſſene Thüren öffnen kann, zu denen Keiner von uns einen Schlüſſel hat, ſo treibt er wahrhaftig Hexerei. Das hörte Juan, ſo hieß er, mit großer Befriedigung lächelnd an, wenn wir nach unſern Spielen in der großen Küche um den lodernden Herd ſaßen, wo in einem großen Keſſel etwas für uns gekocht oder ge⸗ geſchmort wurde.
„Ja, ja, pflegte alsdann die Mutter zu ſagen, indem ſie ihrem Lieblinge durch das dichte Haar fuhr, zer treibt Hexerei; denn wenn das nicht wäre, ſo würde ihm unſere große ſchwarze Katze, die ſich ſonſt um Niemanden bekümmert, nicht ſo wie ein Hund auf Schritt und Tritt folgen.:.
„Richtig, meinte der Vater lächelnd, ‚die Katze iſt es auch, welche ihm die Schlupflöcher zeigt, wo er ſich verbirgt.*
„Ah, jetzt kommt die Katze,“ ſagte das kleine Mädchen, indem es ſich die Hände rieb,„jetzt wird die Geſchichte noch einmal ſo ſchön!“
„An einem Sonntag Nachmittag— ich werde das nie ver⸗ geſſen—,“ fuhr Conchitta fort,„hatten wir auch wieder Ver⸗ ſteckens geſpielt und Juan eben ſo wenig gefunden, wie früher; wir gaben uns auch keine rechte Mühe mehr, da wir doch wußten, wie vergeblich dieſe aufgewendet war, und ſcharten uns, wie gewöhnlich, in der Küche um das lodernde Herdfeuer, Juan erwartend.
„Aber er kam nicht— Stunde um Stunde verrann, und Juan kehrte nicht zurück.


