Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher. 41
kleine Mädchen:„Aber es iſt ja noch nichts vorgekommen von der Katze mit einer Halsbinde!“
„Das kommt noch, meine gute Margarethe, denn was ich er⸗ zählt, war nur der erſte Theil meiner Gſchichte.“
„Gott ſei Dank,“ meinte Lytton,„daß wir noch eine Fortſetzung haben und hoffentlich einen verſöhnlichen Schluß, denn ſonſt wäre Ihre Novelle gar zu grauſam!“
„Für die Armen, die darin mitſpielten, gab es leider keinen verſöhnlichen Schluß, denn ich muß der Wahrheit gemäß berichten, daß faſt hundert Jahre vergingen, ehe ſich etwas zutrug, was man als Fortſetzung jener traurigen Begebenheit anſehen konnte, und das war etwas, was ich ſelbſt miterlebt, von dem ich alſo nicht nur vom Hörenſagen zu erzählen brauche. Jetzt weißt Du auch, Mar⸗
garethe,“ fuhr ſie nach einem kleinen Stillſchweigen fort, während
deſſen ſie das Mädchen neben ſich aufmerkſam betrachtete,„warum der erſte Stock des Schloſſes nie mehr bewohnt war und ſich hier überhaupt von der unglücklichen Familie Niemand mehr ſehen ließ, nachdem alle Forſchungen nach der armen Braut vergeblich ge⸗ weſen waren. Am längſten ſetzte der Bräutigam dieſelben fort, den man nach Jahren noch an einem gewiſſen Tage zuweilen kommen ſah, in tiefem Schmerze die Zimmer durchſchreitend.“
Es war eigenthümlich, daß Mercedes nach dieſen Worten ihr Mandolinenſpiel wieder aufnahm, und zwar in heiteren, freudigen Accorden, gleichſam eine Einleitung bildend zu dem, was ihre Schweſter noch weiter erzählte. 4
„Der Verwalter des Schloſſes, von dem ich vorhin ſchon ſprach, hatte Kinder, drei Buben und zwei Mädchen, zu denen außer uns auch noch andere Geſpielen aus der Nachbarſchaft kamen, und dann ging es oft lärmend genug her in den öden Gängen des alten Schloſſes. Der älteſte der Knaben des Verwalters war da⸗ mals zwölf Jahre alt und recht lebhaft und ausgelaſſen. Er, der
Anführer unſerer kleinen Spiele und dabei ein phantaſiereicher Er⸗ Hackländer's Werke. 52. Bd. 4


