Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher. 39

im Banketſaale ruchbar wurde, von allen Hochzeitsgäſten, den troſt⸗ loſen, faſt verzweifelnden Bräutigam an der Spitze.

„Auf den Treppen, auf den Gängen, in den Höfen des Schloſſes, unter den Thoren, durch die man ins Freie hätte ge⸗ langen können, befand ſich ein zahlreicher Dienertroß: Reilknechte, Sänftenträger, von denen, da der helle Tag ſchien, Niemandem die weiße Geſtalt in ihrem Brautſchmucke entgangen wäre— Keiner wußte etwas von ihr. Wie ich ſchon früher geſagt, war das Schloß rings von Waſſer umgeben, auf dem heute zierlich geputzte Gondeln mit Muſikbanden und zahlreichen Zuſchauern ſchwammen; auch von daher erhielt man nicht die Idee einer befriedigenden Kunde.

„Abermals und wiederholt wurde nun das ganze Schloß durchgeſucht, beſonders der Theil, wohin man ſie hatte gehen ſehen. Dort befand ſich in einem der Eckthürme die alte Hauskapelle, die aber ſeit langen, langen Jahren nicht nur nie mehr benutzt worden war, ſondern deren ſchwere Thür man auch feſt verſchloſſen und verriegelt fand. Trotzdem ſchrie man nach den Schlüſſeln, und als dieſe endlich gefunden und hergebracht waren, dunkelte es bereits, ſo daß man hier die Unterſuchung unter Fackellicht fortſetzen mußte. Ein zahlreicher Menſchenſtrom drang in die Kapelle und durchſuchte auch hier vergeblich jeden Winkel: da war der beſtaubte, frei⸗ ſtehende Altar, da war die reichgeſchnitzte Loge für die Herren und Damen des Schloſſes, da waren die Bänke für die Dienerſchaft, in der Ecke ein geräumiger Beichtſtuhl, ſonſt nichts, was zum Ver⸗ ſtecke hätte dienen können. Unbefriedigt verließ man auch die Ka⸗ pelle wieder und ſchloß die ſchwere Thür hinter ſich zu, ohne deß⸗ halb die Nachforſchungen zu unterbrechen. Dieſe wurden vielmehr Tag und Nacht von einem Theile der Gäſte fortgeſetzt, während ein anderer Theil die Umgebungen des Schloſſes eben ſo fruchtlos als unnütz durchſtreifte— die unglückliche Braut war und blieb ver⸗ ſchwunden. 3

„Der jammervolle, ungeheuchelte Schmerz der Aeltern war