Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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38 Erſtes Kapitel.

dieſes lange Ausbleiben endlich auffiel, fragend an die Mutter ſeiner jungen Gattin wandte, ſo verließ dieſe, ohne im geringſten beſorgt zu ſein, den Saal, um nach ihrer Tochter zu ſehen, die ſie in ihrem Zimmer zu finden hoffte, wahrſcheinlich mit Aenderung ihrer Toilette beſchäftigt, denn ſie hatte dem Hochzeitsmahle in vollem Brautſchmucke beigewohnt, und ſo hatte man ſie auch draußen in dem Gange geſehen, in langem, weißem Schleppkleide mit dem leichten, wallenden Schleier, den Myrthenkranz auf dem Kopfe— ja, ſo haben die Diener und Dienerinnen ſie geſehen— zum letzten Male geſehen.“ Mercedes hatte bis hieher die Erzählung ihrer Schweſter melo⸗ dramatiſch mit ihrer Mandoline begleitet, hier hörte ſie mit einem äh abgeriſſenen Accorde auf. „ Ah,“ machte Lytton in Beziehung auf die letzten Worte der Spanierin,„zum letzten Male geſehen!— Sie ſcherzen, Conchitta, der erzählen uns ein Märchen.“ Ich ſcherze nicht, auch erzähle ich kein Märchen: es verhielt ſich ſo, wie ich geſagt. Es war freilich etwas ganz Unerhörtes, daß eine Braut in ihrem eigenen Schloſſe verloren gehen konnte, * und doch geſchah dies ſo in Caſtillo de Monterey, das haben Augen⸗ zeugen ihren Kindern erzählt und von dieſen wurde es mit allen Einzelheiten an uns überliefert. „Als die Mutter ihre Tochter nicht in deren Zimmer fand, als die Dienerinnen müßig dort ſaßen und behaupteten, ſchon lange auf ihre Herrin zu warten, als dieſe nun in den angränzenden Zimmern, ſowie in den weiter entfernten Räumen, wo ſie auch immer hätte ſein können, vergeblich geſucht wurde, als die Diener in den Gängen einen Schwur abgelegt, ſie hätten die weiße Geſtalt nach der und der Richtung hingehen ſehen, von wo ſie nicht mehr zurück⸗ gekommen, da wurde natürlich dort hinaus Alles und auf's genaueſte unterſucht, zuerſt von der Mutter in Begleitung zahlreicher Diener⸗ ſchaft und, als endlich die unerhörte und unbegreifliche Thatſache