Erſtes Kapitel.
Du meine heilige Cäcilie mit der Permanenten zuſammenbringſt; ſie müßte ſich ja vor Entſetzen überſchlagen, wenn ſie in ſo eine Farbenſchachtel hineinkäme.“
„Warum bin ich undankbar?“ fragte Bergmüller.
„Weil Du mir ſo etwas geſagt und Du doch weißt, wie ſehr ich Dich und Deine Zeichnungen ſchätze. Ach, es iſt für ein Auge wie das meinige ſo wohlthuend, bei dem Schwarz und Weiß auf Deinem grauen Papier ausruhen zu können, wenn man die Augen voll Zinnober und Schweinfurter Grün hat!“
„Da kommt unſer Maitrank!“ rief Roderich und ſetzte mit einem Blicke auf Andreas, der die Bowle hereinbrachte, hinzu:„Ich hoffe, daß heute nichts daran verſäumt iſt; wir haben hier einen Kenner, vor dem ich gern mit Ehren beſtehen möchte— wollen Sie vielleicht ſo gut ſein, Conchitta, und die Gläſer füllen? Andreas wird Ihnen Alles auf den Tiſch ſtellen.“
„Gewiß, Meiſter, und Margarethe wird mir helfen.“
Damit gingen beide nach der Ecke des Gemaches, wo der Gärtner die Bowle auf einen Tiſch geſtellt hatte, Gläſer dazu ſowie einen großen, hölzernen, zierlich gearbeiteten Löffel.
„Nun?“ fragte der Herr des Ateliers, nachdem die Anweſen⸗ den, außer Walter, und ebenfalls die jungen Leute hinter dem Carton, die auf den Ruf Olfer's zum Vorſchein gekommen, mit vollen Gläſern verſehen worden waren und der Baron einen prü⸗ fenden Schluck gethan.
„Ich muß geſtehen, dieſer Maitrank iſt ganz vortrefflich— das Höchſte, was ich zu ſeinem Lobe ſagen kann, iſt, daß ich bei uns in Berlin nie einen beſſeren getrunken.“
„Damit ſind wir zufrieden,“ rief Olfers lachend,„denn zu begehren, daß die arme Provinzſtadt etwas voraus haben ſolle vor der Hauptſtadt der Intelligenz und des feinſten Geſchmackes, wäre ein unſinniges Verlangen!“
„Haben Sie auch an Ihre Schweſter gedacht?“ fragte NRoderich
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