Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher. 29
„Unbeſorgt,“ gab Walter mit einem weniger brummigen und gereizten Tone zur Antwort;„was die Anderen vertragen können, daran ſterbe ich auch nicht. Ueberhaupt will ich Niemanden mit meinen Anſichten beſchwerlich fallen, und wenn ich ſage, die deutſche Kunſt iſt todt, ſo kann man es mir glauben oder bleiben laſſen. Uebrigens wäre ich Dir ſehr dankbar, Roderich, wenn Du mir einen Cognac gäbeſt und mir erlaubteſt, meine Pfeife zu rauchen. Sennora Conchitta wird als Spanierin ein wenig Tabaksdampf nicht ſcheuen, beſonders da ich dafür mit chriſtlicher Geduld ihre Geſchichte anhören werde.“
„Gewiß, Herr Walter, geniren Sie ſich gar nicht! Aber ich ſehe,“ fuhr ſie, ſich lebhaft umſchauend, fort,„es raucht ja Nie⸗ mand— warum denn nicht?“
„Weil wir gehofft haben, Sie würden uns durch ein gutes Beiſpiel Erlaubniß hierzu geben,“ ſagte der Engländer.
„Nein, nein,“ erwiederte Conchitta,„fangen Sie immerhin an: vielleicht macht mir Mercedes ſpäter ein Cigarrito.“
„Der Cognac iſt an dem Dir bekannten Platze,“ ſprach Rode⸗ rich, während er aus einer der Ecken des Gemaches zurückkam, wo er einen Harniſch geholt, den er ſo vor ſein Bild aufſtellte, um ſpäter danach malen zu können;„wenn Du aber,“ fuhr er während dieſer Vorbereitung fort,„noch etwas warten willſt, ſo bekommſt Du einen guten Maitrank, wozu ich den Baron eingeladen. Der⸗ ſelbe hat nämlich die Behauptung aufgeſtellt, wir hier am Rheine wüßten mit der Zubereitung dieſes unſeres Lieblings⸗ und National⸗ getränkes nicht beſonders umzugehen.“ 3
„Pardon! Das habe ich gerade nicht geſagt; ich bin nur der Anſicht, daß der bei uns in Berlin gezogene und rationell cultivirte Waldmeiſter aromatiſcher iſt....“
„Als der in den ſchönen, dichten, rheiniſchen Wäldern?“ lachte Lytton.„O, Baron, warum können Sie ſich dieſe entſetzliche Liebe* zu Ihrer Sandheimath nicht abgewöhnen?“


