Erſtes Kapitel.
„Und mich,“ ſetzte Roderich hinzu,„würde es recht ſehr freuen, zu ſehen, wie ſich Margarethe bei dieſer Erzählung amuſirt, und überdies möchte ich zur Abwechslung eine halbe Stunde an dem Harniſch eines der Trabanten malen, und während deſſen ruhen Sie aus und erzählen mit Bequemlichkeit.“„†
Der junge Elegant hatte ſich von ſeinem Sitze erhoben und trat mit einer tänzelnden Bewegung vor das junge Mädchen hin, wobei er ſo graziös wie möglich ſeinen Hut abnahm und ſagte: „Sie werden mir erlauben, daß ich meine Bitte mit denen meiner Freunde vereinige.— O, es iſt etwas Köſtliches,“ rief er enthu⸗ ſiaſtiſch aus,„um ſo ein Atelierleben, die reizendſten Bilder ent⸗ ſtehen zu ſehen, diſtinguirte Fremde kennen zu lernen, geiſtreich zu converſiren und allerliebſte Geſchichtchen zu hören— erlauben Sie, mein Fräulein, daß ich Ihnen zum voraus die Hand küſſe!“
Da er ſich mit einer ausgeſuchten Bewegung und ſo tief gegen Conchitta hinabneigte, daß ſie wohl fürchten mußte, er werde im 4 nächſten Augenblicke vor ihr knieen, ſo reichte ſie ihm, um dies zu verhüten, ihre kleine Hand, die er einen Augenblick an ſeine Lippen drückte und dann mit einem Ah! der Befriedigung wieder in die Höhe ſchnellte.
Lytton hatte ſich achſelzuckend abgewandt und brummte eiwas in den Bart von fader Zudringlichkeit, was der Baron übrigens nicht hörte, oder wenn er es vernahm, hatte er ein ſo glückliches Temperament, dergleichen Dinge nicht auf ſich zu beziehen.
„Gern will ich dem Wunſche meiner kleinen Freundin will⸗ fahren,“ ſagte Conchitta mit einem ihr eigenen, wunderbar reizen⸗ den Lächeln, wobei ſich ihr an ſich ſchon auffallend kleiner Mund 2 aufs lieblichſte zuſammenzog,„und wenn ich auch auf die Nachſicht des Meiſters rechne, ſowie auf die Ihrige, Herr Lytton, ſo iſt doch Herr Walter meiſtens ſo ernſt geſtimmt, daß ich eine förmliche Angſt habe, vor ihm etwas ſo Unbedeutendes, was eigentlich nur für meine kleine Margarethe beſtimmt iſt, Preis zu geben.“


