26 Erſtes Kapitel.
dürfen— ſchau' her, Roderich, biſt Du mit meiner Skizze zu⸗ frieden?“
„Sie iſt ſehr hübſch,“ ſagte der Gefragte, nachdem er das Blatt eine Zeit lang betrachtet;„und da haſt Du ja auch mein kleines, liebes Mädchen ſkizzirt! Das gibt ein reizendes Blatt, wür⸗ dig der ſchönſten Sammlung— ſehen Sie, Conchitta!“ 4
„O, Herr Lytton hat, wie immer, übertrieben,“ ſagte beſcheiden das junge Mädchen, als ſie näher getreten war, nachdem ſie ihren ſchweren Sammtmantel ſorgfältig abgelegt;„aber Margarethe iſt vortrefflich gelungen— darf ich's ihr zeigen?“
Nach bereitwilligſt ertheilter Erlaubniß nahm ſie raſch das Skizzenbuch, kauerte damit neben der Kleinen nieder und hielt ihr die Zeichnung mit der linken Hand vor, während ſie mit dem rechten Arme ihren Hals umſchlang und dabei ihr Köpfchen an die Bruſt drückte.
Roderich ſchien im Anſchauen ſeines Bildes verſunken zu ſein; in Wahrheit aber ſchweiften ſeine Augen daran vorbei und ruhten mit einem eigenthümlichen Ausdrucke auf der rührend ſchönen Gruppe zu ſeinen Füßen. Das kleine Mädchen ſchmiegte ſich feſt an Conchitta, und wenn es auch im erſten Augenblicke die Zeich⸗ nung flüchtig beirachtet hatte, ſo hafteten doch gleich darauf ihre leuchtenden Augen auf dem guten Geſichte der jungen Spanierin, die ihr nun das blonde Haar ſtreichelte und alsdann fragte:„Freut es Dich nicht, was Herr Lytton gezeichnet?“
„O ja,“ gab die Kleine zur Antwort,„weil auch Du darauf biſt und ich Dich gern habe, weil Du mich gern haſt!“
„Wenn Du lieb biſt, wie Du ja immer zu ſein pflegſt,“ fuhr Conchitta mit leiſer Stimme fort,„ſo will ich verſuchen, wenn es Herr Lytton erlaubt, Dir eine kleine Copie davon zu machen; die kannſt Du alsdann zu meinem Andenken aufheben.“
„Verſprichſt Du mir das, um auch Wort zu halten?“ fragte das Mädchen mit einem eigenthümlichen, faſt ſchelmiſchen Lächeln,


