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Erſtes Kapitel.
trugen, ſchienen ſich in ihrem jetzigen Nichtsthun förmlich zu lang⸗ weilen und wie das warme Wetter verhöhnend ihre langen Zungen verächtlich herauszuſtrecken. Neben dem Kamine ſtand ein Schirm von gepreßtem und vergoldetem Leder, hinter den wir uns einen Blick erlauben, uns aber darauf gern wieder freundlicheren Gegen⸗ ſtänden zuwenden wollen: da befand ſich nämlich ein Skelett und neben demſelben das lebensgroße Bildniß eines ſchönen, nackten Mäd⸗ chens, jedes mit einem einzigen kurzen Worte als Aufſchrift:„Einſt“ und„ZJetzt“.
Gegenüber dem Fenſter, im beſten Lichte, war ein großes Bild auf zwei Staffeleien aufgeſtellt, vor dem der Herr des Ate⸗ liers mit Malen beſchäftigt war. Es war dies ein großer und ſtarker Mann, vielleicht in der Mitte der dreißiger Jahre, mit einem angenehmen, ausdrucksvollen Kopfe, dichtem, dunkelm, aber kurzge⸗ ſchnittenem Haupthaare, mit einem vollen Barte, der auf eine nicht unangenehme Art ins Röthliche ſpielte. Er trug einen Morgenrock von hellbraunem Sammt, der etwas abgenützt war und hier und da Farbenſpuren zeigte, während die übrige Kleidung des Künſtlers ganz beſonders ſorgfältig war. Neben dem Bilde, ebenfalls in vollem Lichte, ſtand ein junges Mädchen von vollendeter, edler und wohl⸗ thuender Schönheit. Ihre vielleicht etwas zu ſchlanke Geſtalt war in ein einfaches graues Gewand gehüllt, welches bis zu ihrem Halſe reichte, über den ein dunkelvioletter Sammtſtoff maleriſch drappirt herabhing. Unter ihrer Bruſt wurde derſelbe feſtgehalten von ihrer feinen, weißen Hand, die hier zum Vorſchein kam, wäh⸗ rend ſie ungefähr drei Viertel ihres ausdrucksvollen Profils dem Maler zuwandte. Das Mädchen mochte etwas über zwanzig Jahre alt ſein, war aber offenbar erſt im Aufblühen begriffen; man hätte glauben ſollen, ihre Entwickelung ſei vielleicht durch einen allzu zarten Körperbau oder durch Krankheit in den Kinderjahren zurück⸗ gehalten worden, und darauf ſchien auch das marmorbleiche Colorit ihres edlen Geſichtes hinzudeuten. Ihre großen, dunkeln Augen unter


