Erſtes Kapitel.
es genügt wohl, um ſich von der Ausdehnung deſſelben einen richtigen Begriff zu machen, wenn wir beſtätigen, daß die Verſiche⸗ rung des Gärtners, hier habe ſchon ein Feldgeſchütz, allerdings mit nur zwei Pferden Beſpannung, Modell geſtanden, ſeine vollkommene Richtigkeit hatte. Das Atelier war auch in ſeiner Höhe der Aus⸗ dehnung entſprechend und hatte nur eine einzige, aber koloſſale Fenſteröffnung an der Nordſeite, die ſich nach Belieben verkleinern ließ und deren Licht man durch vorgezogene blaue und graue Vor⸗ hänge dämpfen oder ſpannen konnte. Die Wände hatten eine dunkle Schieferfarbe und waren trotz ihrer Höhe und Breite ſo mit Gegenſtänden aller Art bedeckt, daß gerade die Manigfaltigkeit der⸗ ſelben dieſe Wände ſelbſt und ſo auch das Gemach auf den erſten Blick nicht ſo groß erſcheinen ließ, wie es in der That war. Hier ſah man Trophäen von alten und ſeltenen Waffen kunſtreich oder vielmehr künſtleriſch geordnet, indem eine gar zu ſtrenge Symmetrie vermieden war oder, wo eine ſolche doch vielleicht unbewußt ent⸗ ſtand, gemildert wurde durch eine alte, ziemlich willkürlich herab⸗ hangende Fahne und durch leichte Drapirung buntfarbiger Schärpen, Shawls oder hellleuchtender Mäntel und Kopftücher orientaliſcher Völkerſchaften. Dort eine andere Wand war für Gypsabgüſſe der verſchiedenſten Arten und Zeiten beſtimmt: neben einem herrlichen Torſo oder einem antiken Kopfe ſah man wohlgeformte Arme und Beine oder ſonſtige Glieder des menſchlichen Körpers, allerdings winzig und faſt unſchön erſcheinend gegen die koloſſalen, edlen Formen des Alterthums, während daneben wieder Köpfe verſchiedener Thiere aus der Wand hervorragten; auf einer anderen Seite ſah man Farbenſkizzen und Köpfe in Kreidemanier, Portraits von Be⸗ kannten oder Studien zu irgend einem Bilde. Das Meublement des Ateliers beſtand durchweg aus altem Geräthe der beſten Re⸗ naiſſancezeit, und jedes Stück war nach Material und Arbeit aus⸗ gezeichnet zu nennen. Da ſah man ungeheure, kunſtreich aus Holz geſchnitzte Schränke, die jedes andere Zimmer über Gebühr ausge⸗


