Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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ſich hin, und Meiſter Andreas, alſo verabſchiedet, begann mit großer Energie ſein Grabſcheit zu handhaben, indem er einen Haufen Kies in dem breiten Wege vertheilte.

Dazu ſangen an dieſem wunderbaren Frühlingsmorgen die Vögel ihre lieblichſten Weiſen, Schmetterlinge flatterten von Blüthe zu Blüthe, und emſige Ameiſen, ſowie glänzende Käfer gingen eifrig ihren Tagesgeſchäften nach.

Wir, geneigter Leſer, wollen die Schwelle des Ateliers über⸗ ſchreiten, von der uns ein gaſtlichesSalve entgegenleuchtet, und kommen auf einen Vorplatz, der im Hintergrunde eine Treppe hat, die in ein paar kleine Zimmer des Dachſtockwerkes führt, welche der Hausherr einigen talentvollen, dürftigen Schülern unentgeldlich einzuräumen pflegte, um ſie ſo in ihren Studien zu unterſtützen. Links vom Eingange führt von dieſem Vorplatze eine Thüre in das vorhin erwähnte Gewächshaus, wo zwiſchen Palmen und Baumfarn ein kleiner Waſſerſtrahl emporſpringt, deſſen Wände mit exotiſchen, wuchernden Schlingpflanzen bedeckt ſind, ein ſaftig grünes Enſemble, das auch im Winter auf das von der Leinwand und den bunten Farben ermüdete Auge ſo wohlthätig und kräftigend ein⸗

wirkt. Von den Wänden dieſes Vorplatzes in braunrother Farbe hoben ſich kleine Statuetten, die Meiſterwerke Peter Viſcher's von

Nürnberg, auf einer Seite Trophäen, die aus Waffen der heutigen Zeit: Säbeln, Piſtolen, Infanterie⸗Gewehren, Büchſen mit Hau⸗ Bayonnetten, Carabinern und Lanzen gebildet waren; in einer Ecke auf dem Fußboden befanden ſich Trommeln, Keſſelpauken, ein paar alte Trompeten neben dem richtigen Modelle eines kleinen Feldge⸗ ſchützes; die ganze Hinterwand dieſes Vorgemaches war mit einem großen Gobelin verhängt, den wir leiſe emporheben, um in das Atelier ſelbſt zu gelangen.

Was die Größe dieſes weiten und ſchönen Raumes anbelangt, ſo hatte Meiſter Andreas allerdings Recht, daß ſich ein ſolcher Platz ſchwerlich im Hofe eines ſtädtiſchen Wohnhauſes gewinnen laſſe, und

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Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher. 17