16 Erſtes Kapitel.
daß Ihr in Kurzem einen Beſuch von Madame zu erwarten habt; ich ſage das Euch eigentlich,“ fuhr ſie vertraulicher fort,„um Euch einen Wink zu geben, daß man hier nichts findet, was man nicht finden ſoll.“
Der Gärtner machte eine ſehr ungeduldige Bewegung mit ſeinem Grabſcheit; doch ließ ſich die Kammerjungfer nicht in ihrer Rede ſtören, ſondern ſprach mit großer Ruhe weiter:
„Seine Hoheit der Prinz Heinrich iſt hier und wird das Atelier des Herrn in Begleitung von Madame beſuchen— ſeid alſo klug und anſtändig!“
„Ja, ich werde ſo klug ſein,“ entgegnete ihr verdrießlich der Gärtner,„und darüber gar nichts reden, denn ſonſt wäre es mög⸗ lich, daß der Herr den Garten zuſchlöſſe, denn Beſuche wie die Seiner Hoheit ſind nicht das, was wir ſehnlich wünſchen; und um auf Ihre Aeußerung„anſtändig“ zurückzukommen, ſo kann ich Sie ver⸗ ſichern, daß, wenn unſer Atelier von Glas wäre und mitten auf dem Marktplatze ſtände, ſo müßte die ganze Bevölkerung eine Freude daran haben, wie es bei uns zugeht. Etwas möchte ich nur wiſſen, wer Euch da drinnen alle die vertrackten, dummen Ideen in den Kopf ſetzt— der arme Herr! Ich bin nur ein geringer Gärtner, aber wenn ich denken müßte, daß alle meine Schritte ſo mit Miß⸗ trauen betrachtet würden, ich thäte der Welt ein Ende laufen.“
„Und ließet Eure Frau ſitzen, wenn Ihr eine hättet.“
„Ja, wenn ich eine hätte— doch ſo weit ſind wir noch lange nicht,“ ſetzte er mit einem Seußzer der Erleichterung hinzu;„dann brauchte ich wahrſcheinlich niemals mehr zu ſagen: Gott ſtraf' mich!“
Die Kammerjungfer begnügte ſich, ihre Achſeln zu zucken und in einem mitleidigen Tone zu erwiedern:„Schade iſt's doch um Euch, Andreas, daß Ihr hier außen ſo verwildert, aber wie iſt das anders möglich!“
Nach dieſen Worten ſummte ſie eine wehmüthige Melodie vor


