Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Erſtes Kapitel.

Hatten wir doch im vergangenen Herbſte, fuhr Andreas achſelzuckend fort,tagelang ein Geſchütz mit Beſpannung im Ate⸗ lier, natürlich nur mit zwei Pferden, und wie oft brauchen wir da drinnen Reiter mit Sattel und Zaum wo wollten wir denn dergleichen Zeug in der Stadt unterbringen? Und wenn das je möglich wäre, ſetzte er mit einem komiſch ernſten Geſichtsausdrucke hinzu,denken Sie doch nur an die Umſtände, die es gibt, Mam⸗ ſell Eliſe, an das Geraſſel, an das Gepolter und an die Nerven! Geraſſel und Gepolter würden wir bei den Modellen des Herrn durchaus nicht ſcheuen, aber die anderen, die kein Geraſſel und Gepolter machen doch reden wir nicht davon, ein anſtän⸗ diges Mädchen darf darüber nicht ſprechen. 4

Darin haben Sie ganz und gar Unrecht: was bei uns vor⸗ kommt, darüber kann ein Mädchen reden, und wenn ſie ſo anſtän⸗ dig iſt wie eine Prinzeſſin leider Gottes, daß man nicht im Stande iſt, Euch da drinnen eine andere Meinung beizubringen!

Allerdings, das ſeid Ihr nicht im Stande, ein ſolcher Ver⸗ ſuch wäre ſehr überflüſſig; doch müßt Ihr uns die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, ſetzte ſie mit einem anmuthig ſein ſollenden Lächeln hinzu,daß wir Euch ſehr wenig hier außen beläſtigen, und hätte es der Herr nicht ausdrücklich befohlen, ja, ſehr aus⸗ drücklich, die kleine Margarethe ſollte heute Morgen zu ihm ge⸗ bracht werden, ſo würde es Madame ganz gewiß nicht eingefallen ſein, ihr Kind gerade hieher zu ſchicken.

Hm, gerade hieher? Hm, und dem armen, kleinen Mädchen mit ſeiner ſchwächlichen Geſundheit thäte es ſo ausnehmend gut, wenn es ſich hier in der freien Gottesluft herumtummeln könnte, oder wenn es da drinnen ſpielen dürfte mit den ſchönen Spiel⸗ ſachen, die wir hier für es haben.

Lieber Meiſter Andreas, erwiederte die Kammerjungfer mit großer Würde und Weisheit,das ſind Sachen, über die wir beide