Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher. 13
„Wenn der Herr ſehen könnte,“ ſagte er lächelnd nach einer Pauſe,„wie Mamſell Eliſe es ſo zierlich verſteht, den Waldmeiſter auszuſuchen, ſo würde er mir dieſes Geſchäft nicht mehr übertragen, davon bin ich feſt überzeugt.“
„In dem Falle,“ gab die Gouvernante etwas ſchnippiſch zur Antwort,„würde der Herr wenig Maitrank zu koſten bekommen, denn Ihr wißt ſehr gut, Meiſter Andreas, daß Unſereines zu ſo was keine Zeit hat; du lieber Gott, ich mache mir faſt eine Sünde daraus, hier zu ſitzen und Eure Arbeit zu thun, während die 1 e
Margarethe allein da drinnen iſt.“ 3
„Allein?“ fragte faſt erſtaunt der Gärtner;„na, da muß ich bitten, es iſt da drinnen eine recht hübſche Geſellſchaft bei einander, und vor allen Dingen Fräulein Margarethens Papa, da kann man doch bei Gott nicht ſagen, daß ſie allein ſei.“
Die Gouvernante warf ihre Oberlippe etwas verächtlich in die Höhe und ſagte hierauf:„Allerdings iſt da drinnen im Atelier eine hübſche Geſellſchaft“— ſie betonie das Eigenſchaftswort mehr als gerade nothwendig war—„da iſt zum Beiſpiel der Herr..... 4
„Na, Mamſell Eliſe,“ gab der Gärtner in einem Tone zur Antwort, der zwiſchen Vorwurf und Frage die Mitte hielt.
„Der Herr,“ fuhr die Andere fort,„der nun allerdings ein⸗ mal hier ſeine Beſchäftigung hat, obgleich es die ganze Welt, gelinde geſagt, ſonderbar finden muß, daß er ſich ein Atelier erbaut hat eine halbe Stunde von der Stadt und ſeinem Wohnhauſe enifernt.“
„Weil die ganze Welt nichts davon verſteht,“ verſetzte der Gärtner mit großer Entſchloſſenheit, indem er das Grabſcheit vor ſich in den Boden ſtieß;„der Herr braucht für ſeine großen Bilder ein Atelier, für das man im Hofe bei unſerem Wohnhauſe keinen Platz und kein Licht gefunden hätte— was braucht er nicht alles für Modelle, für die man doch Platz nothwendig hat!“
Bei dem Worte Modelle rümpfte die Kammerjungfer verächt⸗ lich ihre Naſe.


