12 Erſtes Kapitel.
von Gebüſch umgrenzt, welches die Enge des nicht bedeutenden Gartens verdeckt und welches, in die Ecken zurücktretend, dort ein paar kleine Lauben bildet.
Eine derſelben nimmt unſere Aufmerkſamkeit in Anſpruch; ſie iſt die größere, und während in der andern nur ein paar Garten⸗ ſtühle ſtehen, bemerken wir hier einen ziemlich großen ovalen Tiſch vor einer Steinbank von antiker Form und mit zierlichen Seſſeln von natürliches Holz vorſtellendem Eiſenguß. Auf dem Tiſche ſteht an einer Seite deſſelben ein Glas mit duftigen Maiblumen, da⸗ neben liegen ein Paar zuſammengerollte Herrenhandſchuhe und ein geöffnetes Skizzenbuch mit darauf liegendem Bleiſtifte; eine kaum angerauchte Cigarre ſcheint der Beſitzer dieſer Gegenſtände, als er fortging, vergeſſen zu haben. An dem andern Ende des Tiſches ſitzt ein junges Mädchen, wir hätten bald geſagt eine junge Dame,
dooch würden wir mit dieſem Ausdruck den geneigten Leſer irre ge⸗
führt haben, obgleich er, nach dem Aeußeren zu urtheilen, gerecht⸗
fertigt geweſen wäre. Dieſes junge Mädchen gehörte der dienenden
Klaſſe an, ſie war ein Gemiſch zwiſchen Kammerjungfer und Gou⸗
vernante und wußte ihren runden Hut mit grünem Schleier, ſowie
ihre ſchwarzſeidene Mantille ſo vortheilhaft zu tragen, daß, wie
ſchon vorhin bemerkt, ein Irrthum höchſt verzeihlich geweſen wäre.
Sie hatte den Hut neben ſich auf die Bank gelegt, auch ihre Hand⸗
ſchuhe abgeſtreift und war beſchäftigt, einen Haufen wohlriechenden
Waldmeiſters von unreinen Blättchen und allenfallſigen halb auf⸗
gegangenen Blüthen zu ſäubern und in eine Porcellanterrine zu
werfen, bei welcher Beſchäftigung ſie einen Zuſchauer hatte in dem Gärtner des Hauſes, der ihr gegenüber am Eingange der Laube
an einem Baume lehnte, während er ſeine beiden Hände auf ein Grabſcheit ſtützte..
Der Gärtner war ein Mann an den vierzig Jahren, eine ge⸗ ſund ausſehende Perſönlichkeit mit heiteren Zügen, die das roth⸗
braune Colorit der Leute dieſes Gewerbes hatte.


