Reiſeluſt. 253
„Allerdings will ich das und bitte Euch dringend, mich zu begleiten.“
Der geſtern ſo gemüthlich und freundlich ausſehende Wirth zur Eichenruhe hatte heute in ſeinen Zügen etwas ſo Starres, Unheim⸗ liches, und ſeine Augen glänzten ſo ſeltſam, daß es Herr Schmau⸗ der nicht gewagt hätte, ihm ſeinen allerdings eigenthümlichen Wunſch abzuſchlagen.— So raſch wie in dieſem Falle war er noch nie in ſeine Kleider gekommen, als ſie aber jetzt draußen unter den leiſe rauſchenden Bäumen ſtanden, bemerkte er zu ſeinem Schrecken, daß er in der Eile vergeſſen hatte, ſeine Hoſen anzuziehen; doch fand der Wirth dieſes ſonſt unentbehrliche Kleidungsſtück heute in der lauen Sommernacht durchaus nicht nöthig, faßte den Gaſt an der Hand und zog ihn trotz ſeines Sträubens mit unwiderſtehlicher Gewalt den Berg hinan.
„Da— da— da ſind ſie.“
In der That ſah man innerhalb einer Waldlichtung auf ab⸗ gehauenen Baumſtämmen im Kreiſe umher ein Dutzend ſtiller Männer ſitzen, die mit erhobenen, bleichen Geſichtern den Mond anſtarrten, welcher hoch über ihren Häuptern ſtand und Alles rings umher in einem zweifelhaften Lichte zeigte, ſo unbeſtimmt und duftig wie bei leichtem Nebel, woher es auch wohl kommen mochte, daß ein in der Mitte ſtehender langer Mann, der ſich auf ein gewaltiges Richtſchwert ſtützte, mehr wie ein Schatten ausſah, als wie etwas Körperliches; nur die Klinge des Schwertes glänzte unheimlich, beſonders jetzt, wo er dieſelbe langſam erhob, den Griff mit beiden Händen haltend, ſie dicht vor ſein Geſicht brachte und dann langſam die auf daſſelbe eingeätzten Worte las:„Wenn dem armen Sünder iſt abgeſprochen das Leben, ſo wird er in meine Hand gegeben;“ dann fuhr er mit einer dumpfen Stimme fort, die erklang wie das Seufzen des Nachtwindes, wenn er an Häuſerecken oder dicken Baumſtämmen vorüberſtreift:„So ſteht es
da und wurde geſagt in alten guten Zeiten für alle velen— iſt Hackländer's Werke. 51. Bd.


