Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2⁵52 Reiſeluſt.

ſang eines Vogels oder das Rauſchen des Windhauches durch die ausgebreiteten Aeſte der mächtigen Bäume glückſelig der, dem ein Tag ſo zu Ende geht.

Der Oberreviſor war jetzt ſchon im Stande, ohne Schauder an ſeine heutige Fahrt zurückzudenken, und als er weit, weit in der Ferne einen Bahnzug vorüberdampfen ſah, verurſachte ihm das nicht gerade ein unheimliches Gefühl, doch rieb er ſich die Hände und ſagte:Wenn Ihr dort unten wüßtet, wie wohl mir hier oben wäre! Und nun erſt das einfache, aber gute Nachteſſen unter den ſchattigen Bäumen, dann das allgemache, linde Herniederſinken der Nacht, ſo nervenberuhigend, ſo einſchläfernd, daß Herr Schmauder ſich nicht enthalten konnte, ſchon um neun Uhr nach ſeinem Zimmer zu fragen, hier ſich alsbald zu Bette legte und augenblicklich einſchlief.

Er würde wahrſcheinlich bis zum Morgen fortgeſchlafen haben und ohne beunruhigende Träume ſanft und ſelig wie ein Kind in der Wiege, wenn er nicht auf einmal dadurch aufgeweckt worden wäre, daß Jemand heftig an ſeiner Schulter rüttelte.

Er fuhr empor und ſah den Wirth, eine Lampe in der Hand,

an ſeinem Bette.Was gibt es denn? brennt es irgendwo?

Das nicht, aber ich hielt es für meine Pflicht, Euch aufzu⸗ wecken, um mit mir etwas ganz Abſonderliches anzuſchauen. Man ſoll den Teuſel nie an die Wand malen; habe ich Euch geſtern Nachmittag doch aus innerſter Ueberzeugung verſichert, daß ſie uns hier oben mit ihren Vereinen in Ruhe laſſen würden, und nun hat ſich doch einer eingeſtellt.

Mitten in der Nacht?

Ja, und das iſt noch nicht das Aergſte wenn es noch ein Sängerverein wäre, der uns ein paar Lieder zum Beſten gäbe aber ſetzte er mit ſtarren Augen hinzu, indem er ſich auf's Ohr ſeines Gaſtes niederbeugte, denkt Euch nur, es ſind die deutſchen Scharfrichter, die oben auf einem freien Platze im Walde nächten tagen kann man es nicht nennen.

Schauderhaft und das wollt Ihr doch nicht mit anſehen?