Reiſeluſt. 251
„Daraus ſollte man ſich überhaupt ein Gewiſſen machen und wenn man darüber nachdenkt, ſo haben die Vereinler da unten viel auf dem Gewiſſen.“
„Es iſt hier oben ſo prächtig,“ meinte Herr Schmauder nach einer Pauſe in bekümmertem Tone,„daß wohl irgend einer darauf verfallen könnte, hier oben ein Sängerfeſt zu feiern— das wäre ſchrecklich.“
„Hat keine Gefahr— dazu fehlt es in Sinsheim an unruhigen Köpfen— wißt Ihr von denen, die gerne in den Zeitungen viel Geſchrei machen, die es lieben, ſich gedruckt zu leſen und denen es Freude macht, wenn bei einer ſolchen Verſammlung über ſie recht laut und viel geſprochen wird— ich habe das Alles mit angehört ur den Bemühungen unſeres“, dann kommt der Vor⸗ und Zu⸗ name, ‚haben wir es zu danken, daß dieſes ſeltene, ſchöne Feſt zu Stande kam; oder vielleicht auch: ‚weſſen Name, meine verehrten Anweſenden, klingt heute wohl beſſer in unſeren Herzen an, als der unſeres thatkräftigen, unermüdlichen, wieder Name und Vor⸗ name, und während nun Alles ſo laut als möglich dreimal hoch! ſchreit, trinkt der unermüdliche Betreffende ſein Gott weiß wie vielſtes Glas leer, um ſich hierauf durch eine ähnliche Rede zu be⸗ danken, die wieder bejubelt und angetrunken wird und eine dritte Veranlaſſung gibt, das Gleiche zu thun im Reden und Trinken— doch da iſt die Eichenruhe und wir wollen nicht weiter darüber reden.“
„Gewiß nicht, der Anſicht bin ich auch: nicht mehr darüber reden, nicht mehr daran denken.“
Alles hier oben erſchien unſerem Reiſenden wie ein ſeliger Traum: das nette Stübchen mit dem reinlichen Bette und den an⸗ ſpruchloſen Möbeln, welches man ihm angewieſen, das freundliche Geſicht der Wirthin, vor Allem die entzückende Ausſicht, deren er hier oben aus ſeinem Fenſter genoß, und dieſe Ruhe, dieſer Frieden!
Herr Schmauder zog einen alten Lehnſtuhl an's Fenſter, ſetzte ſich hinein und ſchwelgte mit gefalteten Händen in einem unaus⸗ ſprechlichen Behagen— kein Ton, kein ſtörender Laut drang aus der Ebene hieher, nur zuweilen vernahm man leiſe, leiſe den Ge⸗


